Meteo Lab / M05 · Atmosphärische Dynamik & Wind / K03
M5K3 · Corioliskraft

Die Erdrotation ändert die Richtung einer Bewegung — nicht unmittelbar ihren Betrag.

Im erdfesten Bezugssystem tritt die Coriolisbeschleunigung auf, sobald sich Luft relativ zur rotierenden Erde bewegt. In der lokalen horizontalen f-Ebenen-Näherung ist sie stets senkrecht zum Windvektor und proportional zu Windgeschwindigkeit und Coriolisparameter.

Rotation: Ω Parameter: f = 2Ω sin φ Beschleunigung: aC = −f k×v
01 · Rotierendes Bezugssystem

Die Corioliskraft ist eine Scheinkraft des mit der Erde rotierenden Bezugssystems.

In einem Inertialsystem ist keine zusätzliche seitliche Kraft nötig. Beschreiben wir dieselbe Bewegung jedoch relativ zur rotierenden Erde, erscheint der Coriolisterm

aC = −2 Ω × v.

Er ist proportional zur Erdrotation Ω und zur Geschwindigkeit relativ zum rotierenden System. Für meteorologische horizontale Bewegungen wird häufig nur die vertikale Komponente der Erdrotation verwendet.

Schematische Geometrie der Erdrotation mit Rotationsvektor Omega, lokaler Vertikalen und der Projektion 2 Omega sin phi, aus der der Coriolisparameter f entsteht.
M5K3 · Die lokale horizontale f-Ebenen-Näherung verwendet die Projektion der Erdrotation auf die lokale Vertikale.
02 · Coriolisparameter

Die horizontale Rotationswirkung hängt systematisch von der geographischen Breite ab.

f = 2 Ω sin φ.

Auf der Nordhalbkugel gilt f>0, auf der Südhalbkugel f<0. Am Äquator ist f=0. In dieser lokalen horizontalen Näherung verschwindet dort die seitliche Ablenkung durch den vertikalen Anteil der Erdrotation.

Wichtig: Das bedeutet nicht, dass der vollständige dreidimensionale Coriolisterm am Äquator für jede denkbare Bewegung identisch null wäre.

03 · Vektorgeometrie

Die Coriolisbeschleunigung steht senkrecht auf dem horizontalen Wind.

Mit x nach Osten, y nach Norden und v=(u,v) ergibt sich

aC = (f v, −f u).

Ein rein ostwärts gerichteter Wind besitzt auf der Nordhalbkugel deshalb eine südwärts gerichtete Coriolisbeschleunigung: Die Bewegung wird nach rechts abgelenkt. Auf der Südhalbkugel kehrt sich das Vorzeichen um und die Ablenkung erfolgt nach links.

04 · Keine direkte Arbeit

Die ideale Coriolisbeschleunigung ändert allein die Richtung, nicht die Geschwindigkeit.

Da aC senkrecht zu v steht,

v · aC = 0.

Damit verrichtet der Coriolisterm keine mechanische Arbeit am Luftpaket. Unter ausschließlicher Corioliswirkung bleibt |v| konstant. In realen Strömungen können Druckgradient, Reibung und andere Beschleunigungen den Geschwindigkeitsbetrag natürlich gleichzeitig verändern.

Schematische inertiale Kreisbewegung mit Windvektor tangential zur Bahn und Coriolisbeschleunigung senkrecht dazu zum Krümmungsmittelpunkt. Nordhalbkugel und Südhalbkugel zeigen entgegengesetzten Drehsinn.
M5K3 · Reine Corioliswirkung führt im f-Ebenen-Modell zu einer inertialen Kreisbewegung mit konstantem Geschwindigkeitsbetrag.
05 · Coriolis Deflection Lab

Breite, Wind und Zeit in eine reine inertiale Bewegung übersetzen.

Das Lab isoliert den Coriolisterm: kein Druckgradient, keine Reibung. Der Anfangswind wird durch Geschwindigkeit U und Bewegungsazimut χ beschrieben. χ bezeichnet die Richtung, in die der Geschwindigkeitsvektor zeigt; das ist nicht die meteorologische Windrichtung „aus“. Das Modell integriert die f-Ebenen-Gleichungen analytisch.

reine f-Ebenen-Dynamik du/dt = f v   ·   dv/dt = −f u x = Ost · y = Nord · χ = Bewegungsazimut im Uhrzeigersinn ab Nord · Bahn auto-skaliert · kein PGF · keine Reibung
Inertiale Bahn unter reiner Corioliswirkung Die Bahn eines Luftpakets wird aus Anfangswind, Breite und Zeit analytisch berechnet. Anfangs- und Endwindvektor sowie die Bahn sind dargestellt. CORIOLIS DEFLECTION · INERTIAL PATH Ost +x Nord +y v₀ v(t) Bahn —
f—
|aC|—
Ti—
Ri—
Δχ—
χ(t)—
|v(t)|—
|Δr|—
Rotationsregime — —
Interpretation —
06 · Inertiale Bewegung

Unter reiner Corioliswirkung entsteht im konstanten f-Feld eine Kreisbewegung.

Für konstantes f und konstantes Anfangstempo U gilt

Ti = 2π/|f|,
Ri = U/|f|.

Ti ist die inertiale Periode und Ri der zugehörige Radius. Beide werden nahe dem Äquator sehr groß, weil |f| dort klein wird.

07 · Dynamische Bedeutung

Die Corioliskraft wird auf großen Raum- und Zeitskalen besonders wichtig.

Die typische Coriolisbeschleunigung skaliert mit |f|U. Verglichen mit einer Trägheitsbeschleunigung U²/L ergibt sich erneut die Rossby-Zahl

Ro = U/(|f|L).

Kleine Rossby-Zahlen bedeuten, dass Rotation auf der betrachteten Skala wesentlich zur Kräftebilanz beiträgt. Die Corioliskraft allein bestimmt jedoch noch keinen geostrophischen Wind; dafür ist die Kopplung mit der Druckgradientkraft erforderlich.

08 · Modellgrenzen

Das f-Ebenen-Lab ist eine lokale horizontale Näherung.

Das Lab hält f entlang der Bahn konstant. Auf größeren Nord-Süd-Distanzen ändert sich f mit der Breite; dieser Beta-Effekt (βf = ∂f/∂y) ist hier nicht enthalten. Ebenso fehlen Druckgradientkraft, Reibung, Krümmung des Koordinatensystems und vertikale Bewegung.

Die Zentrifugalbeschleunigung wird in meteorologischen Grundgleichungen üblicherweise zusammen mit der Gravitation in einer effektiven Schwere beziehungsweise im Geopotential behandelt und ist deshalb nicht als eigener Regler im Lab enthalten.

09 · Ergebnis

Coriolis koppelt vorhandene Bewegung an Erdrotation und erzeugt eine seitliche Beschleunigung.

1 · Ursprung

Coriolis ist ein Term des rotierenden Bezugssystems.

2 · Breite

f=2Ω sinφ wechselt am Äquator das Vorzeichen.

3 · Richtung

Nordhalbkugel: rechts; Südhalbkugel: links.

4 · Energie

v·aC=0: reine Corioliswirkung ändert |v| nicht.

5 · Inertialkreis

Ti=2π/|f| und Ri=U/|f| charakterisieren die reine Rotationsbewegung.

6 · Nächster Schritt

M5K4 koppelt Coriolis- und Druckgradientkraft zur geostrophischen Balance.

Cross-References

Nächster Schritt · M5K4 Geostrophischer Wind

Wie entsteht aus Druckgradientkraft und Coriolisbeschleunigung eine stationäre horizontale Balance mit Wind entlang der Isobaren?