Meteo Lab / M05 · Atmosphärische Dynamik & Wind / K08
M5K8 · Divergenz & Konvergenz

Ein Windfeld kann Fläche auseinanderziehen oder zusammenpressen — und Kontinuität koppelt das an vertikale Bewegung.

Divergenz beschreibt nicht die Windgeschwindigkeit selbst, sondern deren räumliche Änderung. Positive horizontale Divergenz vergrößert eine mitbewegte Fläche, negative Divergenz bedeutet Konvergenz. Über die Massenerhaltung entsteht daraus eine zentrale Brücke zur Vertikalbewegung.

Horizontal: Dh = ∂u/∂x + ∂v/∂y Materialfläche: dA/dt = DhA Boussinesq: ∂w/∂z = −Dh
01 · Vom Windvektor zum Windfeld

Divergenz entsteht erst aus räumlichen Unterschieden benachbarter Geschwindigkeitsvektoren.

Ein einzelner Windvektor sagt nichts über Divergenz. Erst ein Feld

vh(x,y) = (u(x,y), v(x,y))

erlaubt die Frage, ob benachbarte Luftpakete auseinanderlaufen oder zusammenrücken. Entscheidend sind lokale räumliche Ableitungen des Windfelds, nicht dessen absoluter Betrag.

Schematischer Vergleich von horizontaler Divergenz, Konvergenz und flächenerhaltender Deformation in einem zweidimensionalen Windfeld.
M5K8 · Divergenz misst lokale Flächenänderung. Ein Windfeld kann sich stark deformieren und trotzdem divergenzfrei sein.
02 · Definition

Horizontale Divergenz ist die Spur des horizontalen Geschwindigkeitsgradienten.

Im lokalen kartesischen System mit x nach Osten und y nach Norden gilt:

Dh = ∇h · vh = ∂u/∂x + ∂v/∂y.

Die Einheit ist s⁻¹. Positive Werte bedeuten lokale horizontale Divergenz, negative Werte horizontale Konvergenz. Für Dh=0 bleibt die infinitesimale Materialfläche lokal erhalten — auch wenn sich ihre Form ändern kann.

03 · Materialfläche

Divergenz ist die relative Änderungsrate einer mit der Strömung bewegten Fläche.

Für eine infinitesimale horizontale Materialfläche A gilt lokal:

(1/A) · dA/dt = Dh.

Bei räumlich und zeitlich konstantem Dh folgt:

A(t)/A0 = exp(Dh t).

Die charakteristische Zeitskala ist 1/|Dh|. Kleine Werte in s⁻¹ können deshalb über mehrere Stunden erhebliche Flächenänderungen erzeugen.

04 · Divergenz ≠ Deformation

Gegensinnige Streckung kann die Form stark ändern, ohne die Fläche zu ändern.

Im linearen Feld

u = a x,    v = b y

gilt Dh=a+b. Der Unterschied

En = a − b

beschreibt hier eine einfache normale Deformation. Ist beispielsweise a=−b, dann ist Dh=0: Die Fläche bleibt konstant, obwohl ein Rechteck gestreckt und gleichzeitig in der senkrechten Richtung zusammengedrückt wird.

05 · Divergence Field Lab

Ein lineares Windfeld, seine Materialfläche und die Kontinuitätsdiagnose gemeinsam untersuchen.

Das Lab verwendet u=ax und v=by um ein lokales Feldzentrum. Die beiden Ableitungen a=∂u/∂x und b=∂v/∂y sind direkt einstellbar. L bestimmt die betrachtete horizontale Spannweite, H die Tiefe einer idealisierten Schicht und Δt die Zeit für die exakte Materialflächenentwicklung.

lokales lineares 2D-WindfeldDh = ∂u/∂x + ∂v/∂yu=ax · v=by · x Ost · y Nord · Materialbox exakt relativ skaliert · Randpfeile auto-skaliert · Boussinesq-Vertikaldiagnose separat
Lineares Divergenz- und KonvergenzfeldVier Randvektoren zeigen das lineare horizontale Windfeld. Ein gestricheltes Ausgangsrechteck und ein dynamisches Materialrechteck zeigen die Flächen- und Formänderung nach der eingestellten Zeit.DIVERGENCE FIELD · MATERIAL AREA+x Ost+y Nordgestrichelt: A₀grün: A(t)—
Dh—
En—
Δu über L—
Δv über L—
A/A₀—
τD—
w*(H)—
x-/y-Skalierung—
Feldregime——
Interpretation—
06 · Kontinuität

Massenerhaltung koppelt horizontale Divergenz an Dichteänderung und vertikale Bewegung.

Die vollständige Kontinuitätsgleichung lautet:

∂ρ/∂t + ∇ · (ρ v) = 0.

In einer inkompressiblen beziehungsweise Boussinesq-Näherung mit näherungsweise konstanter Referenzdichte folgt

∂u/∂x + ∂v/∂y + ∂w/∂z = 0,

also

∂w/∂z = −Dh.
Schematische Kontinuitätssäule: horizontale Konvergenz ist mit zunehmendem Aufwind nach oben verbunden, horizontale Divergenz mit zunehmender Abwärtsbewegung, unter einer Boussinesq-Näherung.
M5K8 · Konvergenz erzwingt nicht automatisch eine bestimmte Wolke oder Wettererscheinung; sie ist zunächst eine kinematische Bedingung der Massenerhaltung.
07 · Vertikaldiagnose

Eine einfache Schichtdiagnose übersetzt Dh in einen vertikalen Geschwindigkeitsgradienten.

Nimmt man Dh als über eine Schichttiefe H konstant an und setzt an der Untergrenze w(0)=0, dann folgt im Boussinesq-Grenzfall:

w*(H) = −Dh H.

Im Lab ist w* ausdrücklich eine Kontinuitätsdiagnose, keine allgemeine Vertikalwindvorhersage. In der realen Atmosphäre ändern Kompressibilität, Dichteprofil, räumlich variierende Divergenz, Topographie und zeitliche Entwicklung die Beziehung.

08 · Modellgrenzen

Divergenz ist lokal und koordinatenabhängig zu berechnen — Wetterwirkung folgt nicht aus dem Vorzeichen allein.

Das Lab verwendet ein kartesisches lineares Feld u=ax, v=by. Es enthält keine Scherrotation, keine gekrümmten Koordinaten, keine räumliche Änderung der Ableitungen und keine Rückkopplung des Druckfelds. Die Materialflächenentwicklung ist für dieses vorgeschriebene lineare Feld exakt.

Die Boussinesq-Vertikaldiagnose ist dagegen bewusst idealisiert. Für synoptische Diagnosen müssen Divergenz, Vertikalbewegung, Dichte und Drucktendenz gemeinsam im dreidimensionalen Massenbudget betrachtet werden.

09 · Ergebnis

Divergenz verbindet die Geometrie eines Windfelds mit Massenerhaltung.

1 · Definition

Dh=∂u/∂x+∂v/∂y misst lokale horizontale Flächenänderung.

2 · Vorzeichen

Dh>0 bedeutet Divergenz, Dh<0 Konvergenz.

3 · Fläche

Bei konstantem Dh gilt A/A₀=exp(Dht).

4 · Deformation

Divergenzfrei bedeutet nicht formstabil: a=−b kann stark deformieren.

5 · Kontinuität

Im Boussinesq-Grenzfall gilt ∂w/∂z=−Dh.

6 · Nächster Schritt

M5K9 ergänzt Rotation des Windfelds: Vorticity & Zirkulation.

Cross-References

Nächster Schritt · M5K9Vorticity & Zirkulation

Wie misst man die lokale Rotation eines Windfelds — und wie hängt sie mit der Zirkulation entlang einer geschlossenen Kurve zusammen?