Die zehn Wolkengattungen bilden die oberste Ebene der visuellen Wolkenklassifikation.
Die Gattungen heißen Cirrus (Ci), Cirrostratus (Cs), Cirrocumulus (Cc), Altocumulus (Ac), Altostratus (As), Nimbostratus (Ns), Stratocumulus (Sc), Stratus (St), Cumulus (Cu) und Cumulonimbus (Cb). Die lateinischen Namen kombinieren typische Formmerkmale mit der vertikalen Lage.
Unterhalb der Gattungsebene existieren Arten und Varietäten. M8K1 bleibt bewusst auf der Gattungsebene, weil sie den robustesten Einstieg in die Wolkenbeobachtung liefert.
Cirrus, Cirrostratus und Cirrocumulus besitzen typischerweise hohe Basen und sind häufig eisdominiert.
In mittleren Breiten liegen hohe Wolkenbasen grob im Bereich von etwa 5 bis 13 km. Cirrus erscheint faserig oder federartig, Cirrostratus als dünner Schleier und Cirrocumulus als kleinteiliges Feld oder Muster.
Die Höhenlage allein genügt nicht: Ein dünner Schleier und ein fleckiges Feld können in ähnlicher Höhe liegen, gehören aber wegen ihrer Erscheinungsform unterschiedlichen Gattungen an.
Altocumulus und Altostratus besetzen den mittleren Höhenbereich; Nimbostratus durchspannt oft mehrere Schichten.
Mittelhohe Wolkenbasen liegen in mittleren Breiten typischerweise grob zwischen 2 und 7 km. Altocumulus bildet Felder, Bänke oder größere Wolkenelemente, Altostratus eine ausgedehnte Schicht oder Decke.
Nimbostratus ist eine ausgedehnte, meist dichte Niederschlagswolke. Seine Basis kann in den tiefen Bereich absinken, während die Wolke weit in den mittleren Höhenbereich reicht. Eine starre Zuordnung „Ns = mittelhoch“ wäre deshalb zu einfach.
Stratus, Stratocumulus und viele Cumuluswolken besitzen tiefe Basen, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Struktur.
Als tiefer Lehrbereich kann in mittleren Breiten grob die Schicht von der Oberfläche bis etwa 2 km verwendet werden. Stratus ist flächig und relativ einheitlich, Stratocumulus zeigt größere zusammenhängende oder gebrochene Wolkenelemente. Cumulus wächst dagegen aus einer vergleichsweise flachen Basis als Quellwolke nach oben.
Nebel ist physikalisch eine bodennahe Wolke, wird in der Gattungstaxonomie aber nicht einfach als „Stratus mit Basis 0 m“ behandelt. M7K9 hat die Sättigungs- und Nebeldiagnostik bereits separat eingeführt.
Cumulus und Cumulonimbus zeigen, warum Wolkenbasis allein keine ausreichende Klassifikation liefert.
Cumulus kann von flachen Schönwetterwolken bis zu stark quellenden Formen reichen. Cumulonimbus besitzt typischerweise eine tiefe Basis, kann aber durch einen großen Teil der Troposphäre wachsen. Seine Oberseite kann nahe an die Tropopause reichen und sich als Amboss ausbreiten.
Vertikale Mächtigkeit ist daher eine zweite geometrische Achse neben der Basishöhe. Für die sichere Gattungsbestimmung bleiben aber visuelle Struktur und Kontext entscheidend.
Basishöhe, Mächtigkeit und Erscheinungsform zu plausiblen Gattungskandidaten kombinieren.
Das Lab ist ein didaktischer Kandidaten-Explorer. Es bildet keine automatische WMO-Klassifikation aus Messwerten nach. Die Regler setzen Geometrie, die Auswahlelemente beschreiben beobachtete Morphologie, optische Dichte und Niederschlagscharakter. Aus diesen Merkmalen wird ein plausibler Hauptkandidat mit Alternativen abgeleitet.
Eine Wolkengattung ist ein Beobachtungssignal, aber noch keine vollständige Wetterdiagnose.
Ausgedehnter Nimbostratus ist häufig mit länger anhaltendem Niederschlag verbunden, Cumulonimbus mit konvektiven Schauern, Gewittern, starken Vertikalbewegungen und Vereisungsbereichen. Cirrus kann auf Feuchte und Dynamik in der oberen Troposphäre hinweisen. Solche Beziehungen sind meteorologisch nützlich, aber nicht bijektiv: dieselbe Gattung kann in unterschiedlichen synoptischen Situationen auftreten.
Darum verbindet eine Wetteranalyse Wolkenbeobachtung mit Temperatur, Feuchte, Wind, Druck, Radar, Satellit und vertikalen Profilen.
Die Höhenbänder des Labs sind Orientierungshilfen für mittlere Breiten, keine globalen Klassifikationsschwellen.
Die tatsächlichen Höhenbereiche verschieben sich mit Breite, Jahreszeit und Tropopausenhöhe. Wolkengattungen werden primär visuell anhand charakteristischer Erscheinungsformen bestimmt. Basis und Obergrenze allein können deshalb keine eindeutige Gattung liefern.
Auch Teilchenphase und Mikrophysik werden in K01 nicht diagnostiziert. Hohe Wolken sind häufig eisdominiert, mittelhohe Wolken können flüssig, unterkühlt oder gemischtphasig sein. Die folgenden Kapitel behandeln Kondensationskeime, Tröpfchen- und Eisprozesse getrennt.
Wolkenklassifikation ist eine strukturierte Beschreibung beobachtbarer Morphologie.
Ci, Cs, Cc, Ac, As, Ns, Sc, St, Cu und Cb bilden die grundlegende Gattungsebene.
Faser, Schleier, Feld, Schicht, Quellung und Turm liefern zentrale Unterscheidungsmerkmale.
Tiefe, mittlere und hohe Familien helfen bei der Orientierung, überlappen aber.
Cu und besonders Cb können von tiefer Basis weit nach oben wachsen.
Wolkengattung liefert Kontext, ersetzt aber keine vollständige Diagnose.
Teilchenentstehung und Wachstum beginnen in M8K2 und M8K3.
Cross-References
Warum bildet Wasserdampf in der realen Atmosphäre Wolkentröpfchen bevorzugt an Aerosolpartikeln statt durch homogene Kondensation?
