Meteo Lab / M09 · Beobachtung & Wetteranalyse / K04
M9K4 · Wettersatelliten

Satelliten messen spektrale Strahldichte aus einer bestimmten Blickrichtung — nicht direkt Wolkenhöhe, Feuchte oder Temperatur.

Wettersatelliten ergänzen Station, Sonde und Radar durch großräumige, wiederholte Fernerkundung. Sichtbare Kanäle beobachten reflektierte Sonnenstrahlung, thermische IR-Kanäle emittierte Strahlung und Wasserdampfkanäle bevorzugt Beiträge aus bestimmten Atmosphärenschichten. Jede Interpretation benötigt daher Kanalphysik und Blickgeometrie.

GEO: hohe ZeitauflösungLEO: globale SwathsKanäle: VIS · WV · IR
01 · Passive Fernerkundung

Der Satellit beleuchtet die Atmosphäre nicht selbst.

Anders als Wetterradar ist ein klassischer Imager ein passiver Sensor. Er misst Strahldichte in diskreten Spektralkanälen. Im sichtbaren Bereich stammt das Signal überwiegend aus reflektierter Sonnenstrahlung; im thermischen Infrarot aus Eigenemission von Oberfläche, Wolken und Atmosphäre.

Die beobachtete Größe ist deshalb zunächst radiometrisch. Meteorologische Größen wie Wolkenoberkantentemperatur oder Feuchtestruktur entstehen erst durch Interpretation oder Retrieval.

Vergleich eines geostationären und eines polarumlaufenden Wettersatelliten mit unterschiedlicher Raum-Zeit-Abtastung.
M9K4 · GEO und LEO beantworten dieselbe Beobachtungsfrage mit unterschiedlichen Abtaststrategien.
02 · GEO & LEO

Orbitgeometrie bestimmt, wie oft und aus welcher Richtung beobachtet wird.

Ein geostationärer Satellit bleibt über demselben Äquatorlängengrad und liefert sehr häufige Bildfolgen einer festen Erdscheibe. Das ist ideal für zeitliche Entwicklung von Wolken, Fronten und Konvektion. Zu den Scheibenrändern wächst jedoch der Blickwinkel: Pixel werden geometrisch gestreckt und hohe Wolken erscheinen durch Parallaxe horizontal versetzt.

Polar- bzw. sonnensynchrone Satelliten fliegen in niedriger Umlaufbahn. Ihre Swaths liefern hohe räumliche Auflösung und globale Abdeckung über mehrere Orbits, aber nicht dieselbe kontinuierliche Zeitfolge über einem Ort. Die begleitende Orbitgrafik ist bewusst schematisch und nicht maßstäblich.

03 · Spektralkanäle

VIS, WV und IR-Fenster sehen unterschiedliche Teile des Systems.

Ein VIS-Kanal um 0,64 µm reagiert bei Tageslicht auf reflektierte Sonnenstrahlung. Ein thermisches IR-Fenster um 10,8 µm liegt in einem relativ transparenten Atmosphärenbereich und ist daher empfindlich für Emission von Oberfläche oder Wolken. Ein WV-Kanal um 6,2 µm liegt dagegen in starker Wasserdampfabsorption und erhält wesentliche Beiträge aus der mittleren bis oberen Troposphäre.

Schematischer Vergleich eines sichtbaren Kanals, eines Wasserdampf-Absorptionskanals und eines thermischen Infrarotfensters mit ihren dominanten Strahlungsquellen.
M9K4 · Gleiche Szene, andere Wellenlänge: die meteorologische Bedeutung des Signals ändert sich.
04 · Planck-Strahlung & Helligkeitstemperatur

Thermische Kanäle messen Radiance; Helligkeitstemperatur ist deren Planck-Inversion.

Für einen idealen Schwarzkörper ist die spektrale Strahldichte

Bλ(T)=2hc²/λ⁵ · [exp(hc/(λkT))−1]⁻¹.

Aus einer gemessenen thermischen Radiance L kann bei gegebener Wellenlänge eine Helligkeitstemperatur Tb definiert werden: jene Schwarzkörpertemperatur, die dieselbe Radiance erzeugen würde. Tb ist damit eine radiometrische Temperatur — nicht automatisch die reale Luft- oder Wolkentopptemperatur.

05 · Wolkenoberkante & Transparenz

Teilbewölkung und Emissivität mischen warme und kalte Beiträge.

Eine optisch dicke, nahezu schwarze Wolke im IR-Fenster kann Tb näherungsweise an ihre Emissionstemperatur binden. Bei dünnen Wolken, partieller Pixelbedeckung oder geringerer Emissivität mischt sich jedoch wärmere Untergrundstrahlung ein. Das beobachtete Tb wird wärmer und eine naive Höhenableitung unterschätzt die Wolkenhöhe.

Im Wasserdampfkanal ist diese direkte Wolkentopplogik noch problematischer, weil die atmosphärische Gewichtungsfunktion selbst den Beitrag über eine breite Höhenschicht verteilt.

06 · Satellite Channel & Geometry Lab

Kanalphysik, Wolkenmischung und Blickgeometrie in einer Szene vergleichen.

Das Lab verwendet ein transparentes Ein-Schicht-Lehrmodell. VIS wird als Lambert-artiger relativer Reflexionsindex behandelt. Die thermischen Kanäle verwenden Planck-Strahlung mit einer festen effektiven Atmosphärenschicht und kanalabhängiger optischer Dicke. Diese Vereinfachung ist bewusst grob, zeigt aber, warum IR-Fenster und WV-Kanal unterschiedlich interpretiert werden müssen.

Satellite observation · channel physics · geometryRadiance, Helligkeitstemperatur und Parallaxe ohne Retrieval-Scheinpräzision.Ein-Schicht-Lehrmodell · eigene mobile Komposition · keine operationelle Satellitenretrieval-Kette
Satellitenkanal und BlickgeometrieLinks zeigt ein schematischer Satellitenblick auf Oberfläche und Wolke mit Parallaxe. Rechts werden sichtbares Signal, thermische Radiance und Helligkeitstemperatur des gewählten Kanals dargestellt.SATELLITE CHANNEL · RADIANCE · VIEWING GEOMETRY Szene & Parallaxelokale Flacherd-Näherung für Parallaxe IR-Fenster 10,8 µmVIS-Signal · normiertthermische Radiance · 0…12 W m⁻² sr⁻¹ µm⁻¹Tb · 190…320 KInterpretationRadiance zuerst — Retrieval danach.WV-Tb ist keine direkte Wolkentopptemperatur.—
Helligkeitstemperatur—
TOA-Radiance—
VIS-Signalindex—
Wolkenhöhen-Skala—
IR-Höhenableitung—
Parallaxe—
Pixelstreckung—
Transmission τ—
Kanaldiagnose——
Interpretation—
07 · Blickwinkel & Parallaxe

Hohe Wolken liegen im Satellitenbild nicht exakt über ihrem Bodenpunkt.

Bei schrägem Blick verschiebt sich die scheinbare Lage eines erhöhten Objekts vom Nadirpunkt weg. Im lokalen Flacherd-Lehrfall verwendet das Lab

Δx ≈ z · tan θview.

Zusätzlich wächst die projizierte Pixelstreckung ungefähr wie 1/cos θ. Für echte geostationäre Navigation muss die volle sphärische Satelliten-Erd-Geometrie verwendet werden; die lokale Näherung dient nur der Größenordnung.

08 · Grenzen & Retrievals

Ein realer Satellitenkanal besitzt spektrale Antwortfunktionen, Atmosphäre und Kalibrierung.

Das Lab reduziert den Kanal auf eine einzelne Wellenlänge, eine effektive Atmosphärenschicht und eine optische Dicke. Reale Instrumente integrieren über spektrale Antwortfunktionen; Gase, Aerosole und Wolken erzeugen höhenabhängige Transmission und Emission. Wolkenmasken, Wolkentopphöhen und Feuchteprodukte benötigen deshalb zusätzliche Retrieval-Algorithmen.

Auch VIS-Helligkeit hängt real von anisotroper Streuung, Oberflächentyp, Wolkenmikrophysik und Sensorblick ab. Der verwendete Lambert-Index ist nur ein kontrolliertes Lehrmodell.

09 · Ergebnis

Satellitenbilder werden erst durch Kanalphysik und Geometrie meteorologisch interpretierbar.

1 · Radiance

Der Sensor misst Strahldichte; meteorologische Größen sind Interpretationen oder Retrievals.

2 · VIS

Sichtbare Kanäle brauchen Sonnenlicht und reagieren auf Reflexion.

3 · IR

Helligkeitstemperatur ist eine Planck-Inversion, nicht automatisch reale Wolkentemperatur.

4 · WV

Wasserdampfkanäle besitzen breite atmosphärische Gewichtungsfunktionen.

5 · GEO/LEO

Orbitwahl verändert Zeitauflösung, Blickwinkel und räumliche Abtastung.

6 · Parallaxe

Hohe Wolken werden bei schrägem Blick horizontal versetzt dargestellt.

Cross-References

Nächster Schritt · M9K5SYNOP & Stationsmodell

Wie werden Stationsbeobachtungen standardisiert codiert und kompakt auf Wetterkarten dargestellt?