Meteo Lab / M07 · Strahlung, Boden & Grenzschicht / K02
M7K2 · Solargeometrie & kurzwellige Strahlung

Kurzwellige Einstrahlung beginnt mit Geometrie. Breitengrad, Jahreszeit und Sonnenzeit bestimmen den Einfallswinkel — die Atmosphäre moduliert anschließend den Strahlungsweg.

M7K1 behandelte die Strahlungsbilanz an der Oberfläche mit vorgegebenem K↓. M7K2 fragt, woher dieser kurzwellige Term kommt: Sonnenstand, Tageslänge, extraterrestrische Einstrahlung und ein bewusst reduziertes Transmissionsmodell bestimmen den direkten Anteil; diffuse Strahlung wird im Lab explizit vorgegeben statt scheinbar „mitberechnet“.

Deklination: δ(n)Geometrie: μ₀=cos θzDirektstrahlung: Bh=I₀ μ₀ τ₁m
01 · Jahres- & Tagesgeometrie

Deklination und Stundenwinkel legen die Position der Sonne relativ zum lokalen Horizont fest.

Die Sonnenbahn folgt aus Erdachse, Umlaufbahn und Erdrotation. Für ein kompaktes Lehrmodell verwenden wir für den Tag des Jahres n die Näherung

δ(n) ≈ 23,44° · sin[2π(284+n)/365].

Die lokale Sonnenzeit wird über den Stundenwinkel H abgebildet:

H = 15° · (tsolar − 12 h).

H=0° entspricht lokalem Sonnenmittag. Negative Stundenwinkel liegen vor, positive danach. Zonenzeit und Sonnenzeit sind nicht identisch; Längengrad, Zeitzone und Zeitgleichung werden im Lab bewusst nicht aufgelöst.

Schematische Solargeometrie über einem lokalen Horizont. Gezeigt werden Zenit, Sonnenhöhe h, Zenitwinkel theta z, Azimut sowie die Beziehung zwischen Erdachse, geographischer Breite und saisonaler Sonnendeklination.
M7K2 · Sonnenhöhe h und Zenitwinkel θz sind komplementär: θz=90°−h. Die Einstrahlung auf eine horizontale Fläche hängt direkt von cos θz ab.
02 · Sonnenhöhe & Zenitwinkel

Der Projektionsfaktor μ₀ übersetzt Sonnenstand in horizontale Strahlungsgeometrie.

Für geographische Breite φ, Deklination δ und Stundenwinkel H gilt

μ₀ ≡ cos θz = sinφ·sinδ + cosφ·cosδ·cosH.

Ist μ₀>0, steht die Sonne über dem mathematischen Horizont. Dann ist

h = arcsin(μ₀),   θz=90°−h.

Ist μ₀≤0, setzen wir die direkte kurzwellige Einstrahlung auf eine horizontale Oberfläche auf null. Atmosphärische Refraktion, Topographie und Abschattung werden dabei nicht berücksichtigt.

03 · Sonnenaufgang & Tageslänge

Die Tageslänge folgt aus der Horizontbedingung μ₀=0.

Für Sonnenauf- und -untergang ergibt sich

cos H₀ = −tanφ·tanδ.

Existiert eine reelle Lösung, ist die astronomische Tageslänge

Tday = 2H₀ / 15° · h.

Bei hohen Breiten kann die Horizontbedingung im Sommer oder Winter keine normale Auf-/Untergangslösung besitzen: Das Modell unterscheidet dann Polartag und Polarnacht.

04 · Obergrenze der Atmosphäre

Auch ohne Atmosphäre variiert die horizontale Einstrahlung mit Sonnenstand und Erde–Sonne-Abstand.

Mit der Solarkonstante S₀=1361 W/m² und einem einfachen jährlichen Distanzfaktor

E₀(n)=1+0,033·cos(2πn/365)

ergibt sich die extraterrestrische Normalstrahlung I₀=S₀E₀. Auf einer horizontalen Fläche ist

KTOA,h = I₀ · max(0, μ₀).

Der Faktor μ₀ ist reine Geometrie. Er beschreibt noch keine Absorption, Streuung, Wolken oder Aerosole.

05 · Solar Geometry Lab

Wie verändern Breite, Jahreszeit, Sonnenzeit und atmosphärischer Weg K↓?

Das Lab berechnet die Solargeometrie analytisch. Für die direkte Strahlung wird zusätzlich eine relative optische Luftmasse m nach Kasten–Young verwendet. Der Regler τ₁ bezeichnet eine vorgegebene direkte Transmission pro relativer Luftmasse; die diffuse horizontale Komponente Dh wird separat vorgegeben und ausdrücklich nicht aus τ₁ hergeleitet.

Sonnenstand · direkte Transmission · diffuse Vorgabeμ₀=sinφ sinδ+cosφ cosδ cosH · Bₕ=I₀ μ₀ τ₁ᵐhorizontale Fläche · lokale Sonnenzeit · keine Topographie · Dₕ separat vorgegeben · Nacht: K↓=0
Sonnenstand und Tagesgang der kurzwelligen EinstrahlungOben zeigt ein Horizontdiagramm Sonnenhöhe, Strahlweg und aktuelle Sonnenposition. Unten zeigen Kurven den extraterrestrischen horizontalen Strahlungsfluss und die diagnostizierte kurzwellige Einstrahlung am Boden über den Solartag.SOLAR GEOMETRY · SHORTWAVEHorizonth=—Azimut —K [W/m²]Sonnenzeit →—
δ—
H—
Sonnenhöhe h—
Azimut—
Tageslänge—
Luftmasse m—
KTOA,h—
Bh—
Dh—
K↓—
Regime——
Interpretation—
06 · Optische Luftmasse

Bei tiefem Sonnenstand wird der atmosphärische Weg länger.

Für h>0 verwenden wir die relative optische Luftmasse nach Kasten–Young:

m = [sin h + 0,50572·(h+6,07995°)−1,6364]−1.

Nahe dem Zenit ist m≈1. Bei tiefem Sonnenstand wächst m deutlich. Das Lab parametrisiert die direkte Normalstrahlung deshalb als

Bn = I₀ · τ₁m.

τ₁ ist kein universeller Atmosphärenparameter, sondern eine kompakte Lehrgröße für die direkte Transmission. Aerosole, Wasserdampf, Ozon und Wolken werden nicht einzeln aufgelöst.

Schematische Pfade kurzwelliger Sonnenstrahlung durch die Atmosphäre. Direkte Strahlung erreicht die Oberfläche entlang des Sonnenstrahls; ein Teil wird absorbiert oder gestreut. Diffuse Himmelsstrahlung erreicht die Oberfläche aus vielen Richtungen. Die Grafik trennt direkte und diffuse Komponenten ausdrücklich.
M7K2 · K↓ an der Oberfläche besteht grundsätzlich aus direkter und diffuser Kurzwelleneinstrahlung. Das Lab berechnet nur den direkten Anteil aus τ₁; Dₕ bleibt eine separate Vorgabe.
07 · Direkt, diffus & global

Die horizontale Gesamtstrahlung ist die Summe aus direktem und diffusem Anteil.

Aus der direkten Normalstrahlung folgt auf einer horizontalen Fläche

Bh = Bn · μ₀.

Mit der vorgegebenen diffusen Horizontalstrahlung Dh ergibt sich im Lab bei Tageslicht

K↓ = Bh + Dh.

Damit entsteht genau die Eingangsgröße, die M7K1 für die Oberflächen-Strahlungsbilanz verwendet. Unter realen Wolken kann Dh einen großen Anteil von K↓ ausmachen; seine Berechnung erfordert ein eigenes Strahlungstransfermodell.

08 · Modellgrenzen

Solargeometrie ist exakt definierbar; der atmosphärische Strahlungstransfer hier bewusst nicht vollständig.

Die Deklinations- und Distanzformeln sind kompakte Jahresnäherungen. Reale Sonnenpositionen hängen zusätzlich von exakter Ephemeride, Zeitgleichung, Längengrad, Zeitzone und atmosphärischer Refraktion ab. Horizonte können durch Gelände oder Gebäude verdeckt werden.

Das Transmissionsmodell enthält weder spektrale Absorption noch Mehrfachstreuung oder Wolkenoptik. Besonders wichtig: Dh wird nicht aus der direkten Extinktion abgeleitet, sondern als unabhängige Eingangsgröße geführt. Dadurch bleibt klar, welche Physik berechnet und welche nur vorgegeben wird.

09 · Ergebnis

Kurzwellige Oberflächeneinstrahlung entsteht aus Geometrie plus atmosphärischer Modulation.

1 · Deklination

Die Jahreszeit verschiebt die Sonnenbahn relativ zum Äquator.

2 · Stundenwinkel

Lokale Sonnenzeit beschreibt die tägliche Rotation relativ zur Sonne.

3 · μ₀

Der Zenitwinkel projiziert Normalstrahlung auf die horizontale Fläche.

4 · Tageslänge

Breite und Deklination bestimmen Auf- und Untergang sowie Polartag/-nacht.

5 · Luftmasse

Tiefer Sonnenstand verlängert den atmosphärischen Strahlungsweg.

6 · K↓

Direkte und diffuse Kurzwelleneinstrahlung bilden gemeinsam den M7K1-Eingang.

Cross-References

Nächster Schritt · M7K3Langwellige Strahlung

Wie koppeln Stefan–Boltzmann-Gesetz, Emissivität, atmosphärische Gegenstrahlung und Wolken an die langwellige Oberflächenbilanz?