Meteo Lab / M03 · Wasser in der Atmosphäre / K06
M3K6 · Spezifische Feuchte & Mischungsverhältnis

Feuchte lässt sich als Massenverhältnis beschreiben.

Relative Feuchte beschreibt den Abstand zur Sättigung. Mischungsverhältnis r und spezifische Feuchte q beantworten eine andere Frage: Wie viel Wasserdampfmasse steckt im Luftgemisch? Beide Größen sind massenbezogen und bleiben bei bloßer Erwärmung oder Abkühlung ohne Stoffaustausch unverändert.

r: mv/md q: mv/(md+mv) ε: Rd/Rv ≈ 0,622
01 · Mischungsverhältnis

r vergleicht Wasserdampfmasse mit der Masse trockener Luft.

Das Mischungsverhältnis ist definiert als

r = mv / md

Es ist dimensionslos, wird meteorologisch aber meist in g/kg trockener Luft angegeben. Aus den idealen Gasgleichungen der beiden Komponenten folgt mit ε = Rd/Rv:

r = ε · e / (p − e)

Der Nenner p − e ist genau der Partialdruck der trockenen Luft pd. Damit knüpft r direkt an M3K3 an.

Mischungsverhältnis und spezifische Feuchte als zwei unterschiedliche Massenquotienten eines feuchten Luftpakets.
M3K6 · r bezieht Wasserdampf auf trockene Luft; q bezieht Wasserdampf auf die gesamte feuchte Luftmasse.
02 · Spezifische Feuchte

q ist der Massenanteil des Wasserdampfs an der gesamten feuchten Luft.

Die spezifische Feuchte lautet:

q = mv / (md + mv)

Sie ist damit ein echter Massenanteil und muss zwischen 0 und 1 liegen. In atmosphärischen Situationen ist q typischerweise klein und wird ebenfalls oft in g/kg angegeben.

q = εe / [p − (1−ε)e]
03 · Umrechnung r ↔ q

Beide Größen enthalten dieselbe Wasserdampfmasse, aber unterschiedliche Nenner.

Aus den Definitionen folgt unmittelbar:

q = r / (1 + r)
r = q / (1 − q)

Da r in der Atmosphäre meist deutlich kleiner als 1 ist, sind die Zahlenwerte von r und q in g/kg ähnlich, aber nicht identisch. Die Näherung q ≈ r ist nur für kleine r zulässig.

04 · Verbindung zum Dampfdruck

e, r und q sind alternative Koordinaten desselben Wasserdampfgehalts.

Aus r lässt sich der Dampfdruck zurückgewinnen:

e = p · r / (ε + r)

und aus q:

e = p · q / [ε + (1−ε)q]

Damit ist klar: Bei gegebenem Gesamtdruck lassen sich Dampfdruck, Mischungsverhältnis und spezifische Feuchte eindeutig ineinander überführen.

Beziehungsdiagramm zwischen Dampfdruck e, Mischungsverhältnis r und spezifischer Feuchte q bei gegebenem Gesamtdruck p.
M3K6 · Der Dampfdruck ist druckbezogen; r und q sind massenbezogene Darstellungen desselben Feuchtezustands.
05 · Moisture Mass Ratio Lab

p, e und T steuern — r, q und die Komponenten-Massenanteile vergleichen.

Das Lab nutzt dieselbe ideale Zweikomponenten-Näherung wie M3K2 und M3K3. Druck p und Dampfdruck e bestimmen r und q. Die Temperatur verändert bei festem p und e die absoluten Dichten, aber nicht die massenbezogenen Verhältnisse r und q.

ideales feuchtes Gasgemisch r = εe/(p−e) · q = r/(1+r) T = −20…40 °C · e = 0…40 hPa · p = 700…1050 hPa · e < p
Massenanteile trockener Luft und Wasserdampf Ein Balken zeigt trockene Luft und Wasserdampf als Massenanteile; daneben werden Mischungsverhältnis und spezifische Feuchte angegeben. MASSENBILANZ · TROCKENE LUFT + WASSERDAMPF 1 kg feuchte Luft m_d — m_v — gleicher Feuchtezustand, zwei Quotienten r — q — —
Mischungsverhältnis r—
Spezifische Feuchte q—
xv = e/p—
ρv—
ρd—
ρ gesamt—
Umrechnungsprüfung q = r/(1+r) —
Interpretation —
06 · Rolle der Temperatur

r und q sind bei festem p und e temperaturunabhängig.

In den Formeln für r und q tritt T nicht auf. Wird ein Luftpaket nur erwärmt oder abgekühlt, ohne dass sich p und e beziehungsweise die Komponenten-Massen ändern, bleiben die Massenverhältnisse unverändert. Die Dichten ρd und ρv ändern sich dagegen mit 1/T.

Das unterscheidet q und r fundamental von der relativen Feuchte: RH kann sich durch eine reine Temperaturänderung stark verändern, weil es(T) temperaturabhängig ist.

07 · Transportgröße

Ohne Quellen, Senken oder Phasenwechsel sind q und r geeignete Feuchtemarker.

Solange kein Wasserdampf hinzugefügt oder entfernt wird und keine Kondensation beziehungsweise Verdunstung die Komponenten-Massen verändert, bleiben q und r für ein materielles Luftpaket konstant. Deshalb sind massenbezogene Feuchtemaße für Transport- und Bilanzbetrachtungen besonders nützlich.

Bei Kondensation sinken Wasserdampfmasse und damit q beziehungsweise r; bei Verdunstung steigen sie. M3K8 wird diesen Stoffaustausch mit dem Phasenwechsel verknüpfen.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Vier Größen, vier unterschiedliche Aussagen.

×
„q und RH sind zwei Schreibweisen für dieselbe Feuchte.“

Nein. q ist ein Massenanteil; RH ist das Verhältnis e/e_s(T) und damit temperaturabhängig.

×
„r ist der Wasserdampfanteil an der gesamten Luftmasse.“

Nein. r bezieht m_v nur auf die trockene Luftmasse m_d. Der Anteil an der Gesamtmasse ist q.

×
„r und q sind numerisch immer identisch.“

Nein. Es gilt q=r/(1+r); nur für kleine r sind die Zahlenwerte näherungsweise gleich.

×
„Erwärmung senkt q genauso wie RH.“

Nein. Reine Erwärmung kann RH senken, während q und r ohne Stoffaustausch unverändert bleiben.

09 · Ergebnis

r und q machen aus dem Dampfdruck eine Massenbeschreibung.

1 · r

r = m_v/m_d = εe/(p−e).

2 · q

q = m_v/(m_d+m_v) = r/(1+r).

3 · Umkehrung

r = q/(1−q), e = pr/(ε+r).

4 · Temperatur

Bei festem p und e ändern T-Variationen r und q nicht.

5 · RH ≠ q

Relative Feuchte misst Sättigungsnähe; q misst Wasserdampf-Massenanteil.

6 · Nächster Schritt

M3K7 führt den Taupunkt als Temperaturkoordinate desselben aktuellen Dampfdrucks ein.

Cross-References

Nächster Schritt · M3K7 Taupunkt

Welche Temperatur muss Luft bei gegebenem aktuellem Dampfdruck erreichen, damit Sättigung eintritt?