Meteo Lab / M03 · Wasser in der Atmosphäre / K02
M3K2 · Wasserdampf

Wasserdampf ist eine variable Gaskomponente der Atmosphäre.

Gasförmiges H2O mischt sich auf molekularer Ebene mit trockener Luft. Seine Moleküle sind deutlich leichter als die mittleren Moleküle trockener Luft. Deshalb verändert Wasserdampf nicht nur den Wasserhaushalt, sondern auch die mittlere molare Masse und damit die Dichte eines Luftgemischs.

Mv: ≈ 18,015 g/mol Rv: ≈ 461,5 J/(kg·K) variabel: 0 bis mehrere Vol.-%
01 · Variable Komponente

Anders als N₂ oder O₂ schwankt der Wasserdampfanteil stark.

Die Hauptbestandteile trockener Luft ändern sich in der unteren Atmosphäre nur wenig. Wasserdampf dagegen wird ständig durch Verdunstung, Transport, Kondensation und Niederschlag zu- oder abgeführt. Sein Anteil kann daher räumlich und zeitlich um Größenordnungen variieren.

In warmer, feuchter Luft nahe der Oberfläche kann der Volumen- beziehungsweise Stoffmengenanteil mehrere Prozent erreichen; in sehr kalter Luft ist er wesentlich kleiner. Eine feste „Standardkonzentration“ von Wasserdampf gibt es deshalb nicht.

Schematisches Gasgemisch aus trockener Luft und wenigen leichteren Wasserdampfmolekülen.
M3K2 · Wasserdampf ist Teil des Gasgemischs, aber sein Anteil ist variabel.
02 · Molare Masse

H₂O ist leichter als das mittlere Molekül trockener Luft.

Ein Wassermolekül besitzt eine molare Masse von ungefähr

Mv ≈ 18,015 g/mol

während die mittlere molare Masse trockener Luft ungefähr

Md ≈ 28,965 g/mol

beträgt. Ersetzt Wasserdampf bei gleichem Gesamtdruck und gleicher Temperatur einen Teil der trockenen Luft, sinkt daher die mittlere molare Masse des Gasgemischs.

03 · Spezifische Gaskonstante

Geringere molare Masse bedeutet größere spezifische Gaskonstante.

Für ein ideales Gas gilt zwischen universeller und spezifischer Gaskonstante:

R = R* / M

Für Wasserdampf folgt damit näherungsweise:

Rv ≈ 461,5 J/(kg·K)

Zum Vergleich verwendet M01 für trockene Luft ungefähr Rd ≈ 287,05 J/(kg·K). Der Unterschied entsteht nicht aus einer anderen „Gasphysik“, sondern aus der unterschiedlichen Masse pro Mol.

04 · Ideales Gasgemisch

Die mittlere molare Masse verschiebt sich mit dem Wasserdampfanteil.

Für ein vereinfachtes binäres Gemisch aus trockener Luft und Wasserdampf mit dem Wasserdampf-Stoffmengenanteil xv gilt:

Mmix = (1 − xv)Md + xvMv

und daraus:

Rmix = R* / Mmix
ρ = p / (RmixT)

Bei gleichem p und T ist feuchtere Luft deshalb geringfügig weniger dicht als vollständig trockene Luft. Dieses Resultat wird später für Auftrieb und Konvektion relevant.

Vergleich von molarer Masse und Dichte trockener und wasserdampfhaltiger Luft bei gleichem Druck und gleicher Temperatur.
M3K2 · Wasserdampf senkt die mittlere molare Masse und damit bei gleichem p und T die Dichte.
05 · Vapor Mixture Lab

Wasserdampfanteil verändern — mittlere molare Masse und Dichte beobachten.

Das Lab behandelt Luft als ideales binäres Gemisch aus trockener Luft und Wasserdampf. Gesteuert werden Temperatur, Gesamtdruck und der Wasserdampf-Stoffmengenanteil xv. Der Einfluss von Sättigung wird bewusst noch nicht geprüft; er folgt ab M3K4.

ideales Gasgemisch Md = 28,965 · Mv = 18,015 g/mol 0–4 Vol.-% H₂O · keine Sättigungsprüfung · p und T unabhängig vorgegeben
Vergleich der Dichte trockener Luft und eines wasserdampfhaltigen Luftgemischs Zwei Balken zeigen die Dichte trockener Luft und die geringere Dichte des Gasgemischs bei gleichem Druck und gleicher Temperatur. GLEICHES p · GLEICHES T trockene Luft Luft + Wasserdampf
Mmix
Rmix
ρmix
ρdry
Δρ/ρdry
Rv
Kernbeziehung Mmix = (1−xv)Md + xvMv
Interpretation
06 · Unsichtbares Gas

Wasserdampf selbst ist optisch unsichtbar.

Der weiße „Dampf“ über einem Wasserkocher ist nicht gasförmiges H₂O. Direkt am Austritt kann unsichtbarer Wasserdampf vorhanden sein; die sichtbare weiße Fahne besteht überwiegend aus kleinen kondensierten Wassertröpfchen.

Dasselbe gilt meteorologisch: klare Luft kann viel Wasserdampf enthalten, während Wolken und Nebel gerade anzeigen, dass ein Teil des Wassers die gasförmige Phase verlassen hat.

07 · Verteilung in der Atmosphäre

Wasserdampf folgt Quellen, Transport und Phasenwechseln.

Die größten Quellen liegen an der Oberfläche: Ozeane, Seen, feuchte Böden und Vegetation. Turbulenz und großskalige Strömung transportieren den Dampf horizontal und vertikal. Kondensation, Wolkenbildung und Niederschlag entfernen ihn wieder aus der Gasphase.

Temperatur ist dabei zentral, aber nicht weil Luft ein starres „Fassungsvermögen“ besitzt. Vielmehr verändert Temperatur den Gleichgewichtsdampfdruck des Wassers. Genau diese thermodynamische Grenze wird in M3K4 quantitativ behandelt.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Vier typische Denkfehler.

×
„Feuchte Luft ist schwerer, weil Wasser schwer ist.“

Bei gleichem p und T ist das Gegenteil der Fall: H₂O hat eine kleinere molare Masse als die mittlere trockene Luft.

×
„Wasserdampf ist die weiße Wolke über kochendem Wasser.“

Nein. Sichtbar sind kondensierte Tröpfchen; gasförmiger Wasserdampf ist unsichtbar.

×
„Luft kann eine feste Menge Wasser aufnehmen.“

Nein. Der relevante Grenzzustand ist thermodynamische Sättigung und hängt vor allem von Temperatur ab.

×
„Mehr Wasserdampf bedeutet automatisch Sättigung.“

Nein. Ob Sättigung erreicht ist, lässt sich erst durch Vergleich mit dem temperaturabhängigen Sättigungszustand entscheiden.

09 · Ergebnis

Wasserdampf verändert die Zusammensetzung und Dichte der Luft.

1 · Variabel

Der H₂O-Anteil ist keine konstante Atmosphärenkomponente.

2 · Leicht

Mv ≈ 18,015 g/mol liegt deutlich unter Md ≈ 28,965 g/mol.

3 · Rv

Die spezifische Gaskonstante von Wasserdampf ist mit ≈461,5 J/(kg·K) entsprechend größer.

4 · Dichte

Bei gleichem p und T wird ein wasserdampfhaltiges Gemisch weniger dicht.

5 · Unsichtbar

Wasserdampf ist gasförmig und optisch unsichtbar.

6 · Nächster Schritt

M3K3 formalisiert den Dampfdruck als Druckanteil des Wasserdampfs.

Cross-References

Nächster Schritt · M3K3 Dampfdruck

Wie lässt sich der Druckanteil des Wasserdampfs im atmosphärischen Gasgemisch formal beschreiben?