Meteo Lab / M03 · Wasser in der Atmosphäre / K03
M3K3 · Dampfdruck

Der Dampfdruck ist der Partialdruck des Wasserdampfs.

In einem idealen Gasgemisch trägt jede Komponente einen eigenen Anteil zum Gesamtdruck bei. Für Wasserdampf heißt dieser Anteil Dampfdruck und wird in der Meteorologie meist mit e bezeichnet. Er ist eine Zustandsgröße des tatsächlich vorhandenen Wasserdampfs — noch nicht seine Sättigungsgrenze.

Dalton: p = pd + e ideal: xv = e/p Einheit: Pa oder hPa
01 · Partialdruck

Jede Gaskomponente trägt zum Gesamtdruck bei.

In einem idealen Gasgemisch bewegen sich die Moleküle aller Komponenten gemeinsam durch dasselbe Volumen. Trotzdem kann jeder Komponente ein eigener Partialdruck zugeordnet werden: der Druck, den diese Komponente allein bei gleicher Temperatur im gleichen Volumen ausüben würde.

Für feuchte Luft zerlegen wir den Gesamtdruck in den Beitrag trockener Luft und den des Wasserdampfs:

p = pd + e

Hier ist e der Dampfdruck und pd der Partialdruck der trockenen Luft.

Zerlegung des Gesamtdrucks feuchter Luft in den Partialdruck trockener Luft und den Dampfdruck des Wasserdampfs.
M3K3 · Dalton-Zerlegung: Der Gesamtdruck ist die Summe der Partialdrücke.
02 · Dalton-Gesetz

Partialdrücke addieren sich linear.

Für ein ideales Gasgemisch lautet Daltons Gesetz:

p = Σ pi

Wird trockene Luft als eine zusammengefasste Komponente behandelt, reduziert sich die Bilanz auf:

p = pd + e

Das ist keine Aufteilung des Volumens: trockene Luft und Wasserdampf besetzen denselben Raum. Die Aufteilung betrifft ausschließlich ihre Beiträge zum Gesamtdruck.

03 · Stoffmengenanteil

Im idealen Gemisch entspricht der Druckanteil dem Stoffmengenanteil.

Für ideale Gase gilt bei gemeinsamer Temperatur und gemeinsamem Volumen:

xv = nv/n = e/p

und damit direkt:

e = xv p

Bei 2 Vol.-% beziehungsweise 2 Mol-% Wasserdampf und 1000 hPa Gesamtdruck beträgt der Dampfdruck daher 20 hPa. Der Rest, 980 hPa, entfällt auf die trockene Luft.

04 · Verbindung zur Dichte

Auch die Dichte lässt sich komponentenweise zerlegen.

Jede Komponente erfüllt im idealen Modell ihre eigene Gasgleichung:

ρd = pd / (RdT)
ρv = e / (RvT)

Die Gesamtdichte ist dann:

ρ = ρd + ρv

Diese Zerlegung reproduziert exakt das Gemischresultat aus M3K2 und macht sichtbar, welcher Teil der Masse tatsächlich vom Wasserdampf stammt.

Zusammenhang zwischen Partialdrücken und den Dichtebeiträgen trockener Luft und Wasserdampf.
M3K3 · Druck- und Dichtezerlegung benutzen dieselbe Komponentenstruktur.
05 · Dalton Partial Pressure Lab

Aus Gesamtdruck und Wasserdampfanteil wird der Dampfdruck.

Das Lab übernimmt die Variablen aus M3K2 und verschiebt den Fokus auf die Druckzerlegung. Temperatur beeinflusst die Komponenten-Dichten, aber bei vorgegebenem p und xv nicht die Dalton-Beziehung e = xvp.

ideales feuchtes Gasgemisch p = pd + e 0–4 Mol-% H₂O · keine Sättigungsprüfung · Dalton-Gesetz
Dalton-Zerlegung des Gesamtdrucks feuchter Luft Ein horizontaler Balken zeigt den Gesamtdruck als Summe aus trockenem Partialdruck und Dampfdruck. DALTON · p = p_d + e Gesamtdruck p p_d — e — Dichtebeiträge ρ_d — ρ_v —
Dampfdruck e
pd
e/p
ρv
ρd
ρ gesamt
Bilanzprüfung p = pd + e
Interpretation
06 · Was e physikalisch bedeutet

Dampfdruck misst die aktuelle gasförmige H₂O-Komponente.

Ein größerer Dampfdruck bedeutet bei gleicher Temperatur mehr Wasserdampfmoleküle pro Volumen. Er ist damit eine unmittelbare Maßzahl für die vorhandene gasförmige Wasserkomponente.

Wichtig ist die Trennung zum nächsten Kapitel: e beschreibt den aktuellen Dampfdruck. Der Sättigungsdampfdruck es(T) beschreibt dagegen eine temperaturabhängige Gleichgewichtsgrenze.

07 · Meteorologische Verwendung

Dampfdruck verbindet Gasgemisch und Feuchtediagnostik.

Viele Feuchtemaße lassen sich auf e zurückführen. Relative Feuchte vergleicht e mit es(T), Mischungsverhältnis und spezifische Feuchte lassen sich über e und den Gesamtdruck formulieren, und der Taupunkt ist die Temperatur, bei der e = es(T) wird.

Damit ist der Dampfdruck der zentrale Brückenknoten zwischen der Gasgemisch-Physik aus M3K2 und der Sättigungsphysik der folgenden Kapitel.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Vier wichtige Abgrenzungen.

×
„Dampfdruck ist zusätzlicher Druck oberhalb des Luftdrucks.“

Nein. Er ist ein Anteil des Gesamtdrucks; p = p_d + e.

×
„Wasserdampf hat ein eigenes Volumen neben der trockenen Luft.“

Nein. Beide Komponenten durchdringen dasselbe Gasvolumen; getrennt werden ihre Partialdrücke.

×
„Dampfdruck und Sättigungsdampfdruck sind dasselbe.“

Nein. e ist der aktuelle Partialdruck; e_s(T) ist die temperaturabhängige Gleichgewichtsgrenze.

×
„Wenn e steigt, muss der Gesamtdruck steigen.“

Nicht zwingend. Bei vorgegebenem Gesamtdruck kann e steigen, während p_d entsprechend sinkt.

09 · Ergebnis

Dampfdruck ist die Druckkoordinate des Wasserdampfs.

1 · Partialdruck

e ist der Druckanteil des gasförmigen H₂O.

2 · Dalton

p = p_d + e.

3 · Stoffmengenanteil

Für ideale Gase gilt x_v = e/p.

4 · Dichte

ρ_d und ρ_v ergeben sich aus ihren jeweiligen Partialdrücken.

5 · Aktueller Zustand

e beschreibt vorhandenen Wasserdampf, nicht die Sättigungsgrenze.

6 · Nächster Schritt

M3K4 führt den temperaturabhängigen Sättigungsdampfdruck e_s(T) ein.

Cross-References

Nächster Schritt · M3K4 Sättigungsdampfdruck

Wie groß kann der Gleichgewichts-Dampfdruck über Wasser oder Eis bei gegebener Temperatur werden?