Meteo Lab / M08 · Wolken, Niederschlag & Gewitter / K07
M8K7 · Hagel

Hagel entsteht, wenn ein Eisembryo in einem starken, unterkühlten Aufwind genügend Flüssigwasser sammelt und lange genug in der Wachstumszone verbleibt.

M8K6 führte Riming und Graupel ein. Hagel setzt diese Akkretion in kräftigen konvektiven Aufwinden fort: unterkühlte Tropfen frieren am wachsenden Eispartikel an, seine Masse und Fallgeschwindigkeit steigen und der Aufwind entscheidet mit darüber, wie lange weiteres Wachstum möglich bleibt.

Embryo: Graupel / gefrorener TropfenWachstum: Akkretion unterkühlten WassersLofting: Aufwind w vs. vt(D)
01 · Hagelkeim

Hagel beginnt nicht als großer Eisball.

Ein Hagelstein benötigt zunächst einen Eisembryo — etwa stark bereiften Graupel, ein gefrorenes großes Tröpfchen oder ein anderes kompaktes Eispartikel. Der entscheidende Schritt ist anschließend nicht weitere reine Deposition, sondern das effiziente Sammeln unterkühlten Flüssigwassers.

Damit unterscheidet sich Hagel von gewöhnlichem Schnee: hohe Flüssigwassergehalte, starke Vertikalbewegung und eine lange Aufenthaltszeit in der unterkühlten Wachstumszone werden zentral.

02 · Akkretion / Riming

Unterkühlte Tropfen liefern den größten Massenzuwachs.

Für ein kugelförmig angenähertes Hagelkorn mit Projektionsfläche A kann der gesammelte Flüssigwasserstrom reduziert geschrieben werden als

dm/dt ≈ E · A · vrel · LWC

E ist eine Sammel-/Gefriereffizienz, LWC der Flüssigwassergehalt und vrel die Relativgeschwindigkeit zwischen Hagelkorn und umgebender Tropfenpopulation. Im Lab wird vrel durch die terminale Fallgeschwindigkeit relativ zur Luft angenähert.

Schematischer Gewitterquerschnitt mit Hagelkeim, starkem Aufwind, Zone unterkühlten Flüssigwassers, Akkretionswachstum und anschließendem Fallout eines größeren Hagelsteins.
M8K7 · Aufwind verlängert die Zeit in der Flüssigwasserzone; Akkretion erhöht Masse und Fallgeschwindigkeit.
03 · Aufwindtragfähigkeit

Mit wachsendem Durchmesser steigt die terminale Fallgeschwindigkeit.

Für eine kugelförmige Lehrnäherung mit konstantem Widerstandsbeiwert gilt aus der Drag-Balance

vt(D)=√[4ρhgD/(3CDρair)]

Ein lokaler Aufwind w kann einen Stein nur dann näherungsweise tragen oder weiter aufwärts transportieren, wenn w mindestens in der Größenordnung von vt liegt. Daraus folgt eine statische Unterstützungsgröße

Dsupport=3CDρairw²/(4ρhg).
Diagramm terminaler Hagelfallgeschwindigkeit gegen Durchmesser mit horizontaler Aufwindlinie. Der Schnittpunkt markiert eine vereinfachte Unterstützungsgröße.
M8K7 · w=vt definiert eine Lehrskala, keine harte reale Größenobergrenze.
04 · Trocken- & Nasswachstum

Ob angesammeltes Wasser vollständig gefriert, verändert Struktur und Dichte des Hagels.

Beim Trockenwachstum frieren auftreffende unterkühlte Tropfen weitgehend sofort. Eingeschlossene Luft und rauere Eisstruktur können relativ opake Schichten erzeugen. Beim Nasswachstum übersteigt die Wärmefreisetzung durch Gefrieren zeitweise die mögliche Wärmeabfuhr; eine flüssige Oberflächenschicht kann bestehen und später dichteres, klareres Eis bilden.

Die Grenze hängt von Temperatur, Flüssigwassergehalt, Sammelrate, Belüftung und Größe ab. M8K7 behandelt sie deshalb qualitativ und leitet aus LWC allein keinen scheinpräzisen Nass-/Trocken-Schalter ab.

05 · Schalen & Wachstumsgeschichte

Hagelschalen dokumentieren wechselnde Wachstumsbedingungen — keine einfache Zahl von „Runden“.

Wechsel zwischen dichterem, klarerem und opakerem Eis kann Schalen erzeugen. Diese Struktur kann Änderungen von Temperatur, Wassergehalt und Gefrierregime widerspiegeln. Sie beweist aber nicht, dass ein Hagelstein regelmäßig dieselbe geschlossene Kreisbahn durch eine Gewitterzelle durchlaufen hat.

Reale Trajektorien sind dreidimensional und werden von Turbulenz, Scherung, wechselnden Aufwindkernen und der Entwicklung der Zelle bestimmt.

06 · Hail Growth & Lofting Lab

Akkretionswachstum und Aufwindtragfähigkeit getrennt, aber auf derselben Größenachse diagnostizieren.

Das Lab verwendet ein kugelförmiges Hagelkorn, konstante Dichte, konstantes CD und eine feste Luftdichte von 0,80 kg/m³. Der Akkretionszweig integriert konstante LWC und Effizienz über eine vorgegebene Aufenthaltszeit. Der Aufwindzweig bestimmt unabhängig die Größe, bei der w=vt.

Hagel · Akkretion · LoftingProjiziertes Wachstum gegen statische Aufwind-Tragfähigkeit.Kugel · CD=0,60 · ρair=0,80 kg/m³ · keine Trajektorienintegration
Hagelfallgeschwindigkeit, projiziertes Wachstum und AufwindlimitEine dynamische Kurve zeigt terminale Fallgeschwindigkeit gegen Hageldurchmesser. Eine horizontale Linie markiert den Aufwind, eine vertikale Linie die Unterstützungsgröße und ein Punkt den nach konstanter Akkretion projizierten Durchmesser.HAIL GROWTH · UPDRAFT SUPPORT0—0—vₜ(D)AufwindWachstumspfadD_support—
vt(D₀)—
D projiziert—
vt(D proj.)—
Dsupport—
w−vt—
Masse D₀—
Masse projiziert—
Massenzuwachs—
Zeit bis Dsupport—
Regime——
Interpretation—
07 · Fallout & Schmelzen

Großer Hagel muss die Wachstumszone verlassen und den Boden erreichen.

Wird die terminale Fallgeschwindigkeit größer als der lokale Aufwind oder schwächt sich der Aufwind ab, bewegt sich der Hagelstein relativ zur Luft abwärts. Unterhalb des 0-°C-Niveaus beginnt Schmelzen; wie viel Masse bis zum Boden erhalten bleibt, hängt von Fallstrecke, Temperatur, Feuchte, Belüftung und Steingröße ab.

Das Lab endet deshalb bewusst am dynamischen Fallout-Kriterium und modelliert keine Boden-Hagelgröße.

08 · Modellgrenzen

Eine statische Aufwindlinie ist keine reale Hageltrajektorie.

Das Lab setzt kugelförmige Partikel, konstante Dichte, konstantes CD, konstante Luftdichte, konstantes LWC und eine feste Sammel-Effizienz voraus. Reale Hagelkörner sind unregelmäßig, rotieren, verändern ihre Dichte und erleben stark variable Aufwinde.

Vor allem bedeutet w>vt nicht, dass ein Stein an einem festen Ort „schwebt“. Es ist nur eine lokale Geschwindigkeitsbilanz. Druckgradienten, Turbulenz, Scherung und die räumliche Struktur des Aufwinds bestimmen die tatsächliche Bahn.

09 · Ergebnis

Großer Hagel erfordert gleichzeitig Massezufuhr und dynamische Aufenthaltszeit.

1 · Embryo

Hagel wächst aus einem bereits vorhandenen Eispartikel.

2 · LWC

Unterkühltes Flüssigwasser liefert über Akkretion den entscheidenden Massenzuwachs.

3 · Aufwind

Starke Aufwinde verlängern die Zeit in der Wachstumszone und tragen größere Steine.

4 · vt

Terminale Fallgeschwindigkeit wächst im Kugelmodell ungefähr mit √D.

5 · Schalen

Klare und opake Schichten spiegeln wechselnde Wachstumsbedingungen, nicht zwingend Umlaufzahlen.

6 · Fallout

Wenn Fallgeschwindigkeit den lokalen Aufwind übertrifft, beginnt der relative Abstieg.

Cross-References

Nächster Schritt · M8K8Gewitterzelle

Wie koppeln Aufwind, Niederschlag, Abwind und Kaltluftpool zu einem zeitabhängigen Gewittersystem?