Meteo Lab / M08 · Wolken, Niederschlag & Gewitter / K03
M8K3 · Wolkentröpfchen

Aktivierte CCN werden zu einer Population aus Wolkentröpfchen, deren Zahl und Wassergehalt die charakteristischen Radien bestimmen.

M8K2 lieferte die aktivierte CCN-Zahl. M8K3 verfolgt den nächsten Schritt: diffusionsbegrenztes Kondensationswachstum, Flüssigwassergehalt, Tröpfchenzahl und Größenverteilung. Entscheidend ist die Population — dieselbe Wassermenge kann auf viele kleine oder wenige größere Tröpfchen verteilt sein.

Kondensation: r·dr/dt = GcsWasser: LWC ∝ Nd⟨r³⟩Größen: rg, rv, re
01 · Von CCN zu Tröpfchen

Aktivierung legt zunächst die Zahl der embryonalen Wolkentröpfchen fest.

Ist ein Aerosolpartikel über sein Köhler-Maximum aktiviert, kann sein feuchter Radius bei positiver Übersättigung weiter wachsen. M8K2 liefert dafür die aktivierte Zahl NCCN. Unter der reduzierten Annahme, dass nahezu jedes aktivierte CCN ein Wolkentröpfchen trägt, wird daraus die anfängliche Tröpfchenzahl Nd.

Diese Zuordnung ist eine Startbedingung, keine ewige Identität. Mischung mit trockener Luft, vollständige Verdunstung, Koaleszenz und spätere Eisprozesse können die Zahl der Tropfen anschließend verändern.

Vergleich zweier idealisierter Wolkentröpfchenpopulationen bei gleichem Flüssigwassergehalt. Wenige größere und viele kleinere Tröpfchen besitzen unterschiedliche charakteristische Radien; darunter ist eine lognormale Größenverteilung mit rg, rv und re dargestellt.
M8K3 · Bei gleichem Flüssigwassergehalt verteilt eine größere Tröpfchenzahl das Wasser auf kleinere Tropfen.
02 · Kondensationswachstum

Nach Aktivierung begrenzen Dampfdiffusion und Wärmeabfuhr das weitere Wachstum.

M3K8 führte das diffusionsbegrenzte Wachstum bereits qualitativ ein. Für einen kugelförmigen Tropfen lässt sich der vereinfachte Prozess schreiben als

r · dr/dt = Gc(T,p) · s
r²(t) − r₀² = 2 Gc s t.

s ist hier die dimensionslose Übersättigung. Der Koeffizient Gc bündelt den Widerstand der Wasserdampfdiffusion und die Abfuhr der bei Kondensation frei werdenden latenten Wärme. Bei konstantem s wächst deshalb r² linear, während dr/dt ∝ 1/r mit zunehmender Tropfengröße kleiner wird.

Diagramm des diffusionsbegrenzten Kondensationswachstums. Bei konstanter Übersättigung nimmt r Quadrat linear mit der Zeit zu, während der Radius selbst mit abnehmender Steigung wächst. Dampfdiffusion und Wärmeleitung sind im Wachstumskoeffizienten Gc zusammengefasst.
M8K3 · Kondensation ist für kleine Wolkentröpfchen effizient, wird aber als alleiniger Wachstumsmechanismus mit zunehmendem Radius immer langsamer.
03 · Flüssigwassergehalt

Der Flüssigwassergehalt koppelt Tröpfchenzahl und drittes Radiusmoment.

Für eine Population kugelförmiger Wassertröpfchen gilt

LWC = (4π/3) ρw Nd ⟨r³⟩.

LWC ist die Flüssigwassermasse pro Luftvolumen. Bei gegebenem LWC folgt daraus unmittelbar: Steigt Nd, muss das mittlere Tropfenvolumen sinken. Für eine monodisperse Population skaliert der Radius deshalb wie Nd−1/3.

04 · Größenverteilung

Eine Wolke besitzt kein einziges „mittleres Tröpfchen“.

Das Lab beschreibt die Tröpfchenzahl mit einer lognormalen Radiusverteilung. Für geometrischen Medianradius rg und geometrische Standardabweichung σg gilt für das k-te Radiusmoment

⟨rk⟩ = rgk exp[½ k² ln²(σg)]

Daraus unterscheiden wir mehrere charakteristische Radien:

rv = ⟨r³⟩1/3,   re = ⟨r³⟩/⟨r²⟩.

rv ist der Volumenmittelradius; re gewichtet größere Tropfen stärker und ist besonders für Strahlungs- und Fernerkundungsfragen relevant. Bei einer breiten Verteilung liegt re oberhalb von rv.

05 · Tröpfchenzahl-Effekt

Mehr aktivierte CCN erzeugen bei gleichem LWC typischerweise kleinere Tropfen.

Die Verbindung M8K2 → M8K3 ist damit direkt: Eine größere aktivierte CCN-Zahl erhöht zunächst Nd. Wenn der Flüssigwassergehalt vergleichbar bleibt, sinken rv und re. Das vergrößert die gesamte Tropfenoberfläche pro Luftvolumen und verändert optische Eigenschaften sowie die spätere Kollisionswahrscheinlichkeit.

Diese Aussage gilt unter kontrollierten Vergleichsbedingungen. In realen Wolken reagieren LWC, Aufwind, Mischung, Übersättigung und Tröpfchenzahl gemeinsam auf die Dynamik.

06 · Cloud Droplet Population Lab

Wie verteilen Tröpfchenzahl und Flüssigwasser die Wolkenmasse auf eine Größenverteilung?

Der erste Lab-Teil schließt eine lognormale Population aus Nd, LWC und σg. Der zweite Teil ist ein getrenntes Gedankenexperiment für das Wachstum eines repräsentativen Tropfens bei konstanter Übersättigung. Diese beiden Diagnosen werden bewusst nicht zu einer vollständig rückgekoppelten Parcel-Simulation vermischt.

Tröpfchenpopulation · KondensationswachstumPopulation closure + separates Konstant-s-Wachstumsexperiment.p = 900 hPa fest · lognormale N-Verteilung · kugelförmige Wassertropfen · keine Kollision/Koaleszenz
Tröpfchengrößenverteilung und KondensationswachstumLinks zeigt eine lognormale Tröpfchenzahlverteilung die charakteristischen Radien rg, rv und re. Rechts zeigt eine Wachstumskurve den Radius eines repräsentativen Tröpfchens bei konstanter Übersättigung bis 900 Sekunden.CLOUD DROPLET POPULATION · MICROPHYSICSAnzahlverteilungr · 1…60 µm logrgrvrer(t), konstantes s0…900 s0…40 µm—
rg—
rv—
re—
⟨r⟩—
Fläche / Volumen—
N⁻¹ᐟ³-Abstand—
Gc—
r(t)—
dr/dt aktuell—
Zeit bis 10 µm—
Populationsregime——
Interpretation—
07 · Kondensations-Bottleneck

Kondensation allein erzeugt nicht effizient Regentropfen.

Weil dr/dt mit 1/r abnimmt, wird rein diffusives Wachstum mit zunehmendem Radius immer langsamer. Das erklärt, warum Kondensation Wolkentröpfchen gut in den Bereich einiger bis etwa zehn Mikrometer bringt, aber die schnelle Bildung von Regentropfen zusätzliche Prozesse benötigt.

M8K5 behandelt deshalb Kollision, Koaleszenz und Fallgeschwindigkeit. M8K4 betrachtet zuvor den Eisweg, bei dem unterschiedliche Sättigungsdampfdrucke über Wasser und Eis eine zweite wichtige Wachstumsschiene eröffnen.

08 · Modellgrenzen

Das Lab trennt Populationsdiagnose und Konstant-s-Wachstum bewusst voneinander.

Die Populationsseite nimmt Nd, LWC und eine lognormale Breite als gleichzeitig gegebene Zustandsgrößen. Das Wachstumsexperiment verfolgt dagegen einen einzelnen repräsentativen Tropfen bei konstantem s und festem Druck von 900 hPa. In einer realen Wolke wird s dynamisch aus Aufwind, adiabatischer Abkühlung, Kondensationsverbrauch und Mischung bestimmt.

Krümmungs- und Lösungseffekte werden nach Aktivierung im Wachstumszweig vernachlässigt. Kollisionen, Koaleszenz, Eis, Ventilation und Sedimentation gehören ebenfalls nicht zu diesem Kapitelmodell.

09 · Ergebnis

Wolkentröpfchen verbinden Aerosolaktivierung, Wasserbudget und Größenstatistik.

1 · Nd

Aktivierte CCN setzen zunächst die Tröpfchenzahl.

2 · Kondensation

Bei konstantem s wächst r² linear mit der Zeit.

3 · LWC

Flüssigwasser koppelt Nd an das dritte Radiusmoment.

4 · Verteilung

rg, rv und re beschreiben unterschiedliche Aspekte derselben Population.

5 · Zahl-Effekt

Mehr Tropfen bei gleichem LWC bedeuten kleinere charakteristische Radien.

6 · Bottleneck

Für Niederschlag reicht Kondensationswachstum allein meist nicht aus.

Cross-References

Nächster Schritt · M8K4Bergeron-Findeisen-Prozess

Wie wachsen Eiskristalle in Mischphasenwolken auf Kosten unterkühlter Wassertröpfchen?