Meteo Lab / M04 · Stabilität, Auftrieb & Konvektion / K06
M4K6 · LFC & EL

Freie Konvektion beginnt nicht am LCL: LFC und EL sind Nullstellen des Parcel-Auftriebsprofils.

Das LCL sagt, wann ein gehobenes Luftpaket gesättigt wird. Erst der Vergleich von Parcel und Umgebung entscheidet, ob das Parcel danach von selbst weiter beschleunigt. Das Level of Free Convection markiert den Eintritt in eine positiv auftriebsgetriebene Schicht; das Equilibrium Level deren erste obere Rückkehr zu neutralem Auftrieb.

LCL: Sättigungsgrenze LFC: B wechselt zu positiv EL: B kehrt von positiv zu 0 zurück
01 · Vertikales Parcelprofil

LFC und EL entstehen erst aus dem gemeinsamen Verlauf von Parcel und Umgebung.

Unterhalb des LCL folgt das ungesättigte Parcel näherungsweise dem trockenadiabatischen Pfad. Oberhalb des LCL verwendet dieses Kapitel den pseudoadiabatischen Flüssigwasserpfad aus M4K5. Die Umgebung besitzt dagegen ihr eigenes Temperatur- und Feuchteprofil.

B(z) = g · [Tv,p(z)/Tv,e(z) − 1]

Entscheidend ist deshalb nicht nur Tp−Te, sondern der virtuelle Temperaturkontrast. Wasserdampf verändert die Dichte beider Zustände und damit das Vorzeichen des Auftriebs.

Schematisches Parcel- und Umgebungsprofil mit getrennten Niveaus für LCL, LFC und EL: Sättigung beginnt am LCL, positive Auftriebsbeschleunigung am LFC und endet am EL.
M4K6 · LCL, LFC und EL sind unterschiedliche Zustands- beziehungsweise Dynamikgrenzen.
02 · Level of Free Convection

Am LFC wird der Parcelauftrieb im betrachteten gesättigten Pfad erstmals positiv.

Für die soundingartige Konvention dieses Kapitels wird ab dem LCL nach der ersten Auftriebsnullstelle gesucht, an der B von nichtpositiv zu positiv wechselt. Liegt bereits am LCL positiver Auftrieb vor, fällt das LFC mit dem LCL zusammen.

zLFC = erste Höhe z ≥ zLCL mit Übergang B ≤ 0 → B > 0

Oberhalb dieses Niveaus braucht das idealisierte Parcel keine weitere äußere Hebungsarbeit, um in der unmittelbar folgenden positiven Auftriebsschicht weiter zu beschleunigen. Reale Konvektion bleibt trotzdem von Impuls, Mischung und dreidimensionaler Dynamik abhängig.

03 · LCL ist nicht LFC

Sättigung und freie Konvektion beantworten zwei verschiedene Fragen.

Am LCL gilt eine Feuchtebedingung: der aktuelle Dampfdruck erreicht die Sättigungsgrenze. Am LFC gilt eine Kraftbedingung: der Parcelzustand wird gegenüber der Umgebung positiv auftriebsfähig. Zwischen beiden Niveaus kann ein gesättigtes Parcel weiterhin negativen Auftrieb besitzen.

LCL: e = esw(T)   ≠   LFC: B = 0 mit positivem Übergang darüber

Genau diese mögliche Schicht zwischen LCL und LFC wird später für CIN wichtig; die Flächenintegration selbst folgt aber erst in M4K8.

04 · Equilibrium Level

Das EL ist die erste obere Nullstelle nach einer positiven Auftriebsschicht.

Steigt das Parcel durch die positiv auftriebsfähige Schicht, kann ein stabileres Umweltprofil seinen thermodynamischen Vorteil wieder abbauen. Das EL ist die erste Höhe oberhalb des LFC, an der B von positiv zu nichtpositiv zurückkehrt.

zEL = erste Höhe z > zLFC mit Übergang B > 0 → B ≤ 0

Das EL ist kein mechanischer Deckel. Ein Parcel mit endlicher Vertikalgeschwindigkeit kann aufgrund seiner Trägheit über das thermodynamische Gleichgewichtsniveau hinausschießen. Die Overshoot-Dynamik ist daher nicht mit der Definition des EL identisch.

Auftriebsprofil B gegen Höhe: negative Werte unterhalb des LFC, positive Werte zwischen LFC und EL und erneute negative Werte oberhalb des EL.
M4K6 · LFC und EL sind Vorzeichenwechsel im vertikalen Auftriebsprofil.
05 · LFC–EL Profile Lab

Parcel- und Umweltprofil gemeinsam verändern und die Nullstellen direkt verfolgen.

Das Lab verwendet ein bewusst reduziertes Zweischicht-Umweltprofil: einen unteren und einen oberen Temperaturgradienten mit frei wählbarer Übergangshöhe. Die Umweltfeuchte bleibt bei 50 % RH; das Parcel startet bei 1000 hPa und 20 °C Umgebungstemperatur mit wählbarem Temperaturkontrast und eigener relativer Feuchte.

Parcel vs. Zweischicht-Umgebung · Wasserreferenz trocken bis LCL · pseudoadiabatisch darüber · B aus virtueller Temperatur Te,0 = 20 °C · p₀ = 1000 hPa · RHe = 50 % · z = 0…8 km · Kondensat sofort entfernt
Auftriebsprofil mit LCL, LFC und EL Der horizontale Abstand von der Nullauftriebslinie zeigt negativen oder positiven Parcelauftrieb; horizontale Markierungen kennzeichnen LCL, LFC und EL. BUOYANCY PROFILE · LCL → LFC → EL B = 0 — — — —
LCL—
LFC—
EL—
B am LCL—
Bmax—
positive Schicht—
p(LFC)—
p(EL)—
Profilklassifikation — —
Interpretation —
06 · Kein LFC, kein EL

Nicht jedes Profil enthält beide charakteristischen Niveaus.

Bleibt B oberhalb des LCL überall nichtpositiv, existiert im betrachteten Höhenbereich kein LFC. Wird B positiv, kehrt aber bis zur Modellobergrenze nicht wieder auf null zurück, liegt das EL oberhalb des betrachteten Profils. Beide Fälle sind physikalisch zulässige Diagnosen und keine Rechenfehler.

07 · Mehrere Nullstellen

Reale Soundings können mehrere positive und negative Auftriebsschichten enthalten.

Inversionen, trockene Zwischenschichten und komplexe Feuchteprofile können mehrere B=0-Durchgänge erzeugen. Dann hängt die meteorologische Interpretation von Parcelwahl, Auslöseweg und zusammenhängender Auftriebsschicht ab. Das Lab verwendet absichtlich nur ein Zweischicht-Umweltprofil und meldet den ersten LFC/EL-Paarungsbereich oberhalb des LCL.

08 · Modellgrenzen

Die Nullstellen sind nur so realistisch wie Parcel- und Umweltmodell.

Das Lab setzt ein festes zweischichtiges Temperaturprofil, 50 % Umwelt-RH, hydrostatischen Druck, sofortige Druckanpassung und pseudoadiabatische Kondensatentfernung voraus. Entrainment, Niederschlagsbeladung, dynamischer Druck, Eis- und Mischphasenphysik sowie Windschub fehlen. Unter 0 °C bleibt der Parcelpfad eine unterkühlte Flüssigwasser-Näherung.

M4K4 bestimmte das LCL aus dem isolierten trockenadiabatischen Parcelpfad. M4K6 integriert den gemeinsamen Druck dagegen hydrostatisch aus dem vorgeschriebenen Umweltprofil. Bei identischem Parcel-Startzustand können sich die diagnostizierten LCL-Höhen deshalb um wenige Meter unterscheiden; die zugrunde liegende Sättigungsphysik e = e_sw(T) bleibt identisch.

CAPE und CIN werden hier bewusst noch nicht integriert. K6 lokalisiert nur die relevanten Nullstellen; die Flächen beziehungsweise Energieintegrale folgen in M4K7 und M4K8.

09 · Ergebnis

LCL, LFC und EL bilden eine Abfolge aus Feuchte- und Auftriebsdiagnostik.

1 · LCL

Das Parcel erreicht Sättigung; über das Vorzeichen von B ist damit noch nichts entschieden.

2 · LFC

Oberhalb des LCL beginnt die erste positiv auftriebsfähige Schicht.

3 · EL

Die erste positive Schicht endet an der oberen Rückkehr zu B = 0.

4 · Virtuell

Die Nullstellen werden aus Tv,p und Tv,e, nicht nur aus T bestimmt.

5 · Profilabhängig

Es können LFC oder EL fehlen; reale Soundings können zusätzliche Nullstellen besitzen.

6 · Nächster Schritt

M4K7 integriert die positive Auftriebsschicht zwischen LFC und EL als CAPE.

Cross-References

Nächster Schritt · M4K7 CAPE

Wie wird aus der positiv auftriebsfähigen Schicht zwischen LFC und EL eine spezifische Energie für konvektive Beschleunigung?