Meteo Lab / M07 · Strahlung, Boden & Grenzschicht / K08
M7K8 · Sensible & latente Wärmeflüsse

Turbulenter Austausch verteilt Oberflächenenergie als fühlbare und latente Wärme.

M7K7 beschrieb turbulente Kovarianzen. M7K8 übersetzt diese Transporte in die energetischen Flüsse H und LE und zeigt mit einem neutralen Bulk-Modell, wie Temperaturdifferenz, Feuchtegradient, Wind und Oberflächenfeuchte ihre Richtung und Größenordnung bestimmen.

Sensibel: H≈ρcp⟨w′θ′⟩Latent: LE≈ρLv⟨w′q′⟩Bowen: B=H/LE
01 · Sensibler Wärmefluss

H transportiert thermische Energie ohne Phasenwechsel von Wasser.

Für einen aufwärts positiven turbulenten Wärmefluss gilt bodennah näherungsweise

H ≈ ρ cp ⟨w′θ′⟩.

Positive H-Werte bedeuten im verwendeten Oberflächenbudget einen Energiefluss von der Oberfläche in die Atmosphäre. Eine wärmere Oberfläche begünstigt daher typischerweise H>0; bei einer kälteren Oberfläche kann H<0 werden.

Schema der bodennahen Bulk-Austauschflüsse. Eine Oberfläche tauscht sensible Wärme H und latente Wärme LE mit einer Referenzluft in Messhöhe aus; Temperatur- und Feuchteunterschied, Wind sowie ein Transferkoeffizient bestimmen die Flüsse.
M7K8 · Temperatur- und Feuchtekontraste werden durch turbulenten Austausch in H und LE übersetzt.
02 · Latenter Wärmefluss

LE koppelt den Wasserdampftransport direkt an den Energiehaushalt.

LE ≈ ρ Lv ⟨w′q′⟩.

Verdunstung oder Evapotranspiration mit aufwärts gerichtetem Wasserdampftransport liefert LE>0 und entzieht der Oberfläche Energie. Kondensation auf die Oberfläche kann LE<0 erzeugen und setzt dort latent gebundene Energie frei. Die Vorzeichenkonvention stimmt damit mit M7K4 überein.

Für die temperaturabhängige Verdampfungsenthalpie verwenden wir wie M3K9 die Näherung Lv(T)=2,501·106−2,37·103T°C J/kg.

03 · Feuchtegradient

Relative Feuchte allein bestimmt LE nicht — entscheidend ist die Differenz der spezifischen Feuchte.

Die Luftfeuchte wird aus Dampfdruck und Gesamtdruck in die spezifische Feuchte q umgerechnet:

q = εe / [p − (1−ε)e].

Für die Luft setzen wir ea=RH·es(Ta). Die Oberfläche erhält im Lab eine effektive Feuchteverfügbarkeit fw mit qsfc=fwqsat(Ts). fw=1 beschreibt eine gesättigte Wasseroberfläche; kleinere Werte stehen für begrenzte Wasserverfügbarkeit. Das ist eine kompakte Parametrisierung, keine Boden- oder Pflanzenphysik.

04 · Bulk-Austausch

Ein neutrales Bulk-Modell fasst turbulente Transportwirkung in einen Transferkoeffizienten.

H = ρ cp Cx U (Ts−Ta)
LE = ρ Lv Cx U (qsfc−qa).

Im Lab verwenden H und LE bewusst denselben neutralen Transferkoeffizienten Cx. Reale Austauschkoeffizienten hängen von Rauigkeit, Messhöhe, Stabilität, Vegetation und molekularen Eigenschaften ab. Die Bulk-Gleichungen sind daher eine reduzierte Schließung, keine universelle Identität.

05 · Bowen-Verhältnis

Das Verhältnis H/LE beschreibt die energetische Aufteilung zwischen Erwärmung und Verdunstung.

B = H / LE.

Bei positivem H und LE bedeutet B<1 einen dominierenden latenten Energiefluss, B>1 einen dominierenden sensiblen Wärmefluss. Ist LE nahe null, wird B singulär und darf nicht als robuste Diagnose interpretiert werden. Bei negativen Flüssen ändert sich die physikalische Bedeutung entsprechend.

Didaktische Darstellung des Bowen-Verhältnisses. Bei feuchter Oberfläche dominiert der latente Wärmefluss LE, bei trockener warmer Oberfläche der sensible Wärmefluss H; ein Übergangsbereich zeigt vergleichbare Anteile.
M7K8 · Das Bowen-Verhältnis beschreibt die Partitionierung von Oberflächenenergie, nicht die absolute Größe der verfügbaren Energie.
06 · Surface Heat Flux Lab

Wann dominiert H, wann LE — und wann kehrt sich ein Fluss um?

Das Lab berechnet Luftdichte, spezifische Feuchten, H und LE aus einem neutralen Bulk-Modell. Es variiert Oberflächen- und Lufttemperatur, Luftfeuchte, effektive Oberflächenfeuchte, Wind, Transferkoeffizient und Druck.

neutral bulk exchange · H / LETemperatur- und Feuchtekontraste in Energieflüsse übersetzen.
Sensible und latente Bulk-Flüsse an einer OberflächeDie Grafik zeigt Oberfläche und Referenzluft sowie gerichtete Pfeile für sensible Wärme H und latente Wärme LE. Richtung und Stärke ändern sich mit den Lab-Einstellungen.SURFACE HEAT FLUX · BULK EXCHANGEReferenzluft—H —LE —Oberfläche——
qa—
qsfc—
ρ—
Lv—
H—
LE—
Bowen B—
E äquiv.—
Regime——
Interpretation—
07 · Regime

Vorzeichen und Verhältnis der Flüsse tragen unterschiedliche Information.

H>0 zeigt sensible Erwärmung der Luft durch die Oberfläche; H<0 einen sensiblen Energiefluss zur Oberfläche. LE>0 steht für Verdunstung beziehungsweise Evapotranspiration, LE<0 im Modell für Kondensation auf die Oberfläche. Das Verdunstungsäquivalent E=LE/Lv kann als kg m−2 s−1 und damit als mm Wasser pro Tag gelesen werden, wenn der Zustand unverändert bliebe.

08 · Modellgrenzen

Bulk-Flüsse sind eine Schließung der turbulenten Austauschphysik, nicht die vollständige Grenzschicht.

Das Lab setzt CH=CE=Cx und ignoriert explizite Stabilitätsfunktionen, Rauigkeitslängen, stomatäre Widerstände, Bodenwassertransport, Vegetationsphysiologie und Strahlungsrückkopplungen. Die Luftdichte wird aus Druck, Lufttemperatur und spezifischer Feuchte diagnostiziert; der Transferkoeffizient bleibt dagegen vorgegeben.

Gerade unter stabiler Schichtung können Austauschkoeffizienten stark sinken. M7K9 behandelt deshalb die stabile Grenzschicht, Nebel und Kaltluftseen als eigenes Regime.

09 · Ergebnis

H und LE übersetzen turbulenten Temperatur- und Feuchtetransport in Energieflüsse.

1 · H

Sensibler Wärmefluss reagiert auf Temperaturkontrast und turbulente Kopplung.

2 · LE

Latenter Wärmefluss koppelt Wasserdampftransport über Lv an Energie.

3 · q statt RH

Für den Bulk-Feuchtegradienten zählt die spezifische Feuchte.

4 · Bowen

H/LE beschreibt die Partitionierung, solange LE nicht nahe null ist.

5 · Vorzeichen

Negative Flüsse sind physikalisch möglich und bedeuten Umkehr der Transportrichtung.

6 · Closure

Cx fasst unaufgelöste turbulente Austauschphysik zusammen.

Cross-References

Nächster Schritt · M7K9Stabile Grenzschicht, Nebel & Kaltluftseen

Wie verändert stabile Schichtung den turbulenten Austausch und warum sammeln sich Kälte und Feuchte bodennah?