Meteo Lab / M07 · Strahlung, Boden & Grenzschicht / K05
M7K5 · Bodenwärmestrom & thermische Trägheit

Der Boden speichert Wärme nicht nur — er leitet, dämpft und verzögert Temperatursignale mit der Tiefe.

M7K4 führte G als Bodenwärmestrom in die Oberflächenenergiebilanz ein. M7K5 löst diesen Term physikalisch weiter auf: Wärmeleitung folgt Temperaturgradienten, volumetrische Wärmekapazität bestimmt den Speicher, und die thermische Diffusivität legt fest, wie schnell ein Tagesgang in den Untergrund eindringt.

Fourier: G=−λ ∂T/∂zDiffusivität: κ=λ/CvEindringtiefe: d=√(2κ/ω)
01 · Wärmeleitung

Bodenwärmestrom entsteht aus einem vertikalen Temperaturgradienten.

Für eindimensionale Leitung und eine nach unten positive Tiefenkoordinate z verwenden wir das Fourier-Gesetz

G = −λ ∂T/∂z.

λ ist die Wärmeleitfähigkeit in W m−1 K−1. Ein positiver G bedeutet in diesem Modul: Energie fließt nach unten in den Untergrund. Damit ist die Vorzeichenkonvention direkt mit M7K4 kompatibel.

Schematischer Bodenquerschnitt mit warmer Oberfläche, kühlerem Untergrund, nach unten positiver Tiefenkoordinate und einem positiven Bodenwärmestrom G in Richtung Untergrund. Ein Temperaturprofil zeigt den zugehörigen vertikalen Gradienten.
M7K5 · Wärmeleitung: Der Temperaturgradient bestimmt die Richtung, λ die Stärke des leitenden Flusses.
02 · Wärmespeicher

Die volumetrische Wärmekapazität bestimmt, wie viel Energie für eine Temperaturänderung nötig ist.

Der Bodenspeicher wird durch die volumetrische Wärmekapazität Cv beschrieben. Für ein Volumenelement gilt näherungsweise

ΔE/V = Cv ΔT.

Feuchte Mineralböden besitzen typischerweise eine größere Wärmekapazität als trockene, poröse Böden. Derselbe Energieeintrag erzeugt dort daher eine kleinere Temperaturänderung.

03 · Thermische Diffusivität

Leitfähigkeit und Speichervermögen wirken gemeinsam.

Aus λ und Cv folgt die thermische Diffusivität

κ = λ/Cv.

κ hat die Einheit m²/s und charakterisiert, wie schnell Temperaturstörungen räumlich diffundieren. Eine hohe Leitfähigkeit erhöht κ, eine hohe Wärmekapazität verringert κ.

Thermische Trägheit

Ein gebräuchliches Maß ist I=√(λCv). Große Werte bedeuten: starke Kopplung aus Leitung und Speicher; die Oberfläche reagiert auf einen gegebenen Energieimpuls typischerweise träger.

04 · Periodische Temperaturwelle

Ein Tagesgang wird mit zunehmender Tiefe exponentiell gedämpft und zeitlich verzögert.

Für einen homogenen, halbunendlichen Boden mit sinusförmiger Oberflächentemperatur besitzt die Wärmeleitungsgleichung die klassische Lösung

T(z,t)=T̄+A0e−z/d cos[ω(t−tmax)−z/d].

Die Dämpfungstiefe

d = √(2κ/ω)

ist die Tiefe, bei der die Amplitude auf e−1≈0,368 des Oberflächenwertes abgesunken ist. Gleichzeitig beträgt die Phasenverschiebung z/d Radiant.

Für die Lab-Zeitachse ist tmax=15 h festgelegt; damit erreicht die vorgegebene Oberflächentemperatur ihr Maximum um 15:00 lokaler Zeit.

Didaktische Darstellung einer täglichen Temperaturwelle im Boden. Mehrere Tiefenprofile zeigen mit zunehmender Tiefe kleinere Amplituden und eine zeitliche Verzögerung der Temperaturmaxima.
M7K5 · Thermische Welle: Dämpfung und Phasenverzögerung sind zwei Seiten derselben Diffusionslösung.
05 · Phasenlage des Bodenwärmestroms

Der leitende Fluss reagiert vor dem lokalen Temperaturmaximum.

Setzt man die periodische Temperaturwelle in das Fourier-Gesetz ein, folgt

G(z,t)=λA0d−1e−z/d[cos(φ)−sin(φ)],   φ=ω(t−tmax)−z/d.

An der Oberfläche eilt G dem Temperaturmaximum um 45° voraus. Für einen 24-h-Zyklus entspricht das drei Stunden. Deshalb ist der größte Wärmestrom in den Boden nicht identisch mit dem Zeitpunkt der höchsten Oberflächentemperatur.

Bei periodischer 24-h-Anregung ist eine beobachtbare Uhrzeitverschiebung nur modulo 24 h eindeutig. Der mathematisch unaufgerollte Phasenweg z/(dω) kann in großer Tiefe mehr als einen Tageszyklus umfassen; das Lab zeigt deshalb den äquivalenten Verzögerungswert modulo 24 h.

06 · Soil Thermal Wave Lab

Wie stark dringt ein tägliches Temperatursignal in verschiedene Böden ein?

Das Lab verwendet die analytische Lösung eines homogenen halbunendlichen Bodens. Es variiert Wärmeleitfähigkeit λ, volumetrische Wärmekapazität Cv, Oberflächenamplitude A0, Mitteltemperatur T̄, Beobachtungstiefe z und Tageszeit. Das Oberflächenmaximum liegt im Lehrmodell fest bei 15:00 lokaler Zeit.

1D-Wärmeleitung · 24-h-TemperaturwelleT(z,t)=T̄+A₀e−z/dcos[ω(t−15h)−z/d]homogen · halbunendlich · konstante λ und Cv · z positiv nach unten
Temperaturwelle und Bodenwärmestrom im homogenen BodenLinks zeigt ein Bodenprofil die gedämpfte Temperaturamplitude mit Tiefe. Rechts zeigt eine Zeitkurve die Oberflächen- und Tiefentemperatur über 24 Stunden.SOIL THERMAL WAVE · 24 H FORCINGOberfläche z=0z=—TₛT(z)—
κ—
I=√(λCv)—
d—
A(z)—
Phasenverzug mod 24 h—
Ts—
T(z)—
G(z,t)—
Thermische Diagnose——
Interpretation—
07 · Kopplung zu M7K4

M7K5 liefert die physikalische Bedeutung hinter dem Bilanzterm G.

M7K4 behandelte G als einen vorgegebenen Anteil der Nettostrahlung. M7K5 zeigt, dass G tatsächlich aus dem zeitabhängigen Temperaturgradienten und der Leitfähigkeit folgt. Ein realistisches gekoppeltes Oberflächenmodell müsste daher Rn, die Oberflächentemperatur und den Bodenwärmestrom gemeinsam lösen.

Rn = H + LE + G + S.
08 · Modellgrenzen

Die analytische Temperaturwelle ist ein Referenzmodell, kein vollständiges Bodenmodell.

Das Lab setzt einen homogenen, halbunendlichen Boden mit konstanten thermischen Eigenschaften voraus. Reale Böden sind geschichtet; Wassergehalt, Gefrieren, Vegetation, Schneedecke und Regen verändern λ und Cv teilweise stark.

Außerdem wird die Oberflächentemperatur als sinusförmige Randbedingung vorgegeben. Im gekoppelten realen System entsteht Ts erst aus der Energie- und Stoffbilanz an der Oberfläche.

09 · Ergebnis

Thermische Trägheit verbindet Oberflächenenergie mit dem zeitverzögerten Untergrund.

1 · Leitung

G folgt dem Temperaturgradienten über das Fourier-Gesetz.

2 · Speicher

Cv bestimmt die Energie pro Volumen und Kelvin.

3 · Diffusivität

κ=λ/Cv steuert die räumliche Ausbreitung eines Temperatursignals.

4 · Dämpfung

Die Tagesamplitude nimmt mit e−z/d ab.

5 · Verzögerung

Mit der Tiefe verschiebt sich das Temperaturmaximum systematisch nach hinten.

6 · Kopplung

Der Bodenwärmestrom G ist Teil der Oberflächenenergiebilanz und zugleich Ergebnis der Wärmeleitung.

Cross-References

Nächster Schritt · M7K6Grenzschicht: Aufbau & Tageszyklus

Wie koppeln Oberflächenheizung, Turbulenz und nächtliche Abkühlung an die vertikale Struktur der atmosphärischen Grenzschicht?