Meteo Lab / M02 · Wärme & Thermodynamik / K03
M2K3 · Wärmekapazität

Wie viel Energie braucht ein Kelvin?

Eine Temperaturänderung sagt noch nicht, wie viel Energie übertragen wurde. Wärmekapazität verknüpft beides. Bei Gasen muss zusätzlich angegeben werden, unter welcher Randbedingung erwärmt wird: bei konstantem Volumen oder konstantem Druck.

Kapazität: C · J/K spezifisch: c · J/(kg·K) trockene Luft: cp > cv
01 · Wärmekapazität

Temperaturänderung und Energieänderung werden quantitativ gekoppelt.

Die Wärmekapazität C eines Systems beschreibt, wie viel Energie für eine bestimmte Temperaturänderung unter einer festgelegten Prozessbedingung übertragen werden muss. Für eine kleine Änderung schreiben wir:

C = δQ/dT Einheit: J/K. Bei Gasen ist C keine eindeutige Zahl ohne Angabe des Prozesses.

Da C mit der Systemgröße wächst, verwenden wir meist die spezifische Wärmekapazität c:

c = C/m Einheit: J/(kg·K).
Vergleich von Wärmekapazität C und spezifischer Wärmekapazität c sowie deren Skalierung mit der Masse.
M2K3 · C ist extensiv und wächst mit der Masse; c ist eine massenspezifische Material- beziehungsweise Modellgröße.
02 · Konstantes Volumen

Im starren Behälter geht die zugeführte Energie vollständig in ΔU.

Wird ein geschlossenes ideales Gas in einem starren Behälter erwärmt, ändert sich sein Volumen nicht. Es wird keine Volumenarbeit verrichtet. Dann gilt im kalorisch perfekten Modell:

δQv = m cv dT
cv ≈ 718 J/(kg·K) Didaktischer Referenzwert für trockene Luft im hier verwendeten Temperaturbereich.

Damit knüpft M2K3 direkt an M2K2 an: Bei konstantem Volumen entspricht die zugeführte Wärme der Änderung der inneren Energie.

03 · Konstanter Druck

Bei konstantem Druck muss das Gas zusätzlich expandieren.

Halten wir den Druck konstant, kann sich das Volumen beim Erwärmen vergrößern. Ein Teil des Energieaustauschs erhöht weiterhin die innere Energie; ein weiterer Teil ist mit der Expansion gegen den Außendruck verbunden.

δQp = m cp dT
cp ≈ 1005 J/(kg·K)

Für dieselbe Masse und dieselbe zugeführte Energie ist deshalb die Temperaturänderung bei konstantem Druck kleiner als bei konstantem Volumen.

Vergleich eines starren Behälters bei konstantem Volumen mit einem Kolbenprozess bei konstantem Druck.
M2K3 · Bei konstantem Druck wird ein Teil der Energie mit der Volumenänderung gekoppelt; daher gilt c_p > c_v.
04 · Mayer-Beziehung

Für ideales trockenes Gas ist die Differenz besonders einfach.

Für ein ideales Gas gilt zwischen den beiden spezifischen Wärmekapazitäten:

cp − cv = Rd

Mit unseren Referenzwerten cp = 1005 J/(kg·K) und cv = 718 J/(kg·K) ergibt sich der gerundete, mit M01 konsistente Wert Rd = 287 J/(kg·K).

γ = cp/cv ≈ 1,40 Das Verhältnis γ wird für adiabatische Prozesse in M2K6 wichtig.
05 · Heat Capacity Lab

Dieselbe Energie, dieselbe Masse — zwei verschiedene Temperaturänderungen.

Das Lab führt zwei idealisierten trockenen Luftsystemen denselben Energiebetrag Q zu. Links bleibt das Volumen konstant; rechts bleibt der Druck konstant. Vergleiche direkt ΔTv und ΔTp.

cv versus cp trockene Luft · kalorisch perfektes Modelldidaktischer Modellbereich: ca. 240–400 K
Vergleich der Erwärmung trockener Luft bei konstantem Volumen und konstantem Druck Dieselbe Energie wird zwei gleich schweren Luftsystemen zugeführt. Wegen c_p größer c_v ist die Temperaturänderung bei konstantem Druck kleiner. GLEICHE Q · GLEICHE m · ANDERE RANDBEDINGUNG KONSTANTES VOLUMEN starr ΔT_v = 27,9 K Q = m c_v ΔT KONSTANTER DRUCK ΔT_p = 19,9 K Q = m c_p ΔT ΔT_v / ΔT_p = c_p / c_v ≈ 1,40 Q = 20,0 kJ · m = 1,00 kg
ΔT bei V const.
ΔT bei p const.
T₂ bei V const.
T₂ bei p const.
cp − cv
γ = cp/cv
gleiche Energiezufuhr ΔT = Q/(m c)
Interpretation
06 · Meteorologische Bedeutung

Für Luftpakete ist cp besonders wichtig.

Atmosphärische Luftpakete bewegen sich meist nicht in starren Behältern. Bei Druckänderungen können sie expandieren oder komprimiert werden. Deshalb erscheint cp in vielen meteorologischen Beziehungen besonders häufig.

Das bedeutet nicht, dass reale Luftpakete immer exakt isobar erwärmt werden. cp ist vielmehr eine zentrale thermodynamische Stoffgröße, die zusammen mit Rd und cv die Energie- und Adiabatikbeziehungen bestimmt.

07 · Modellgrenzen

cp und cv sind nicht über beliebige Temperaturen konstant.

Das Modell verwendet konstante Referenzwerte für trockene Luft. In realen Gasen hängen die Wärmekapazitäten etwas von der Temperatur ab, weil zusätzliche molekulare Freiheitsgrade unterschiedlich stark angeregt werden.

Kalorisch perfekt ≠ thermisch perfekt

Ein ideales Gas kann die Zustandsgleichung p = ρR T erfüllen, obwohl cp und cv temperaturabhängig sind. „Kalorisch perfekt“ ist die zusätzliche Annahme, dass diese Wärmekapazitäten im betrachteten Bereich konstant bleiben.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Drei typische Verwechslungen.

×
„Wärmekapazität ist gespeicherte Wärme.“

Nein. C beziehungsweise c beschreibt die Energie, die für eine Temperaturänderung unter einer definierten Prozessbedingung nötig ist.

×
„c_p und c_v sind zwei verschiedene Stoffeinstellungen.“

Nein. Es ist dieselbe Luft; die Randbedingung des Prozesses ist verschieden.

×
„Bei konstantem Druck verschwindet Energie.“

Nein. Die Differenz zu c_v hängt mit der Expansionsarbeit zusammen; die vollständige Bilanz folgt in M2K4.

09 · Ergebnis

Wärmekapazität verbindet Energieübertragung und Temperaturänderung.

1 · C

Wärmekapazität C ist extensiv und hat die Einheit J/K.

2 · c

Spezifische Wärmekapazität c bezieht die Kapazität auf 1 kg.

3 · c_v

Bei konstantem Volumen erhöht Q direkt die innere Energie.

4 · c_p

Bei konstantem Druck gilt c_p > c_v, weil Expansion mitbilanziert wird.

5 · Mayer

Für ideales Gas: c_p − c_v = R_d.

6 · Nächster Schritt

M2K4 formuliert die vollständige Energiebilanz als ersten Hauptsatz.

Cross-References

Nächster Schritt · M2K4 Erster Hauptsatz

Wie werden Wärme, innere Energie und Druck-Volumen-Arbeit in einer einzigen Energiebilanz zusammengeführt?