Meteo Lab / M02 · Wärme & Thermodynamik / K04
M2K4 · Erster Hauptsatz

Energie verschwindet nicht — sie wird bilanziert.

Der erste Hauptsatz verbindet die bisher getrennten Begriffe: Wärme Q, innere Energie U und Arbeit W. Für ein geschlossenes System gilt mit unserer Vorzeichenkonvention: Energiezufuhr als Wärme erhöht U; vom System geleistete Arbeit vermindert U.

Bilanz: dU = δQ − δW Wärme: Q > 0 hinein Arbeit: W > 0 hinaus
01 · Energiebilanz

Änderung der inneren Energie = hinein − hinaus.

Für ein geschlossenes System ohne Stoffaustausch formulieren wir den ersten Hauptsatz als:

dU = δQ − δW Q > 0: Wärme in das System. W > 0: Arbeit vom System an die Umgebung.

Die Schreibweise ist bewusst asymmetrisch: dU ist das Differential einer Zustandsgröße. δQ und δW sind Prozessgrößen und hängen vom Weg zwischen Anfangs- und Endzustand ab.

Energiebilanz eines geschlossenen Systems: Wärmefluss in das System, Arbeit aus dem System und Änderung der inneren Energie.
M2K4 · Der erste Hauptsatz ist eine Buchhaltung: Energiezufuhr und Energieabgabe bestimmen die Änderung von U.
02 · Vorzeichenkonvention

Die Vorzeichen müssen vor jeder Rechnung feststehen.

Wir verwenden in Meteo Lab durchgehend:

+Q
Wärme hinein

Das System erhält Energie als Wärme.

+W
Arbeit hinaus

Das System verrichtet Arbeit an der Umgebung.

ΔU
Saldo

Positiv, wenn netto mehr Energie im System verbleibt.

Andere Lehrbücher verwenden teilweise die entgegengesetzte Arbeitskonvention. Das ist kein physikalischer Widerspruch, solange die Definition konsequent durchgehalten wird.

03 · Druck-Volumen-Arbeit

Expansion überträgt Energie an die Umgebung.

Für mechanische Randarbeit eines Gases gilt allgemein:

δW = pext dV
W = ∫ pext dV Bei quasistatischer Expansion ist p_ext näherungsweise der jeweilige Systemdruck.

Expansion bedeutet dV > 0 und damit W > 0: Das Gas leistet Arbeit und verliert bei adiabatischer Expansion innere Energie. Bei Kompression ist dV < 0, also W < 0; die Umgebung verrichtet Arbeit am Gas.

Schematische Darstellung von Expansion und Kompression eines Gases gegen einen äußeren Druck und deren Vorzeichen für die Arbeit.
M2K4 · Mit der Meteo-Lab-Konvention ist Expansion positive Systemarbeit, Kompression negative Systemarbeit.
04 · Drei wichtige Spezialfälle

Die Bilanz macht bekannte Prozesse sofort transparent.

V
Starres Volumen

W = 0 ⇒ ΔU = Q. Genau der Spezialfall aus M2K2/M2K3.

Q=0
Adiabatisch

ΔU = −W. Expansion kühlt, Kompression erwärmt das ideale Gas.

ΔU=0
Isothermes ideales Gas

Bei konstantem T gilt ΔU = 0 ⇒ Q = W.

05 · First Law Energy Lab

Q und W werden bilanziert — ΔU folgt zwingend.

Das Lab betrachtet ein geschlossenes, trockenes Luftsystem. Du gibst Wärmeübertragung Q und vom System geleistete Arbeit W vor. Daraus folgt ΔU = Q − W. Mit dem kalorisch perfekten Modell ΔU = m cv ΔT wird zusätzlich die Temperaturänderung diagnostiziert.

Energiebuchhaltung geschlossenes trockenes Luftsystem · keine Stoffströmekalorisch perfekt · Reglerbereich hält T₂ bei ca. 220–345 K
Energiebilanz eines geschlossenen thermodynamischen Systems Wärme Q tritt in das System ein, Arbeit W verlässt das System. Der verbleibende Saldo verändert die innere Energie. ΔU = Q − W GESCHLOSSENES SYSTEM ΔU = +12,0 kJ ΔT = +16,7 K T₂ = 31,7 °C Q = +20,0 kJ W = +8,0 kJ BILANZACHSE netto +12,0 kJ
ΔU
ΔT
Endtemperatur T₂
Prozessklasse
Erster Hauptsatz ΔU = Q − W Bilanzfehler: —
Interpretation
06 · Zustand versus Pfad

ΔU kennt nur Anfang und Ende; Q und W kennen den Weg.

Zwischen denselben beiden Zuständen können unterschiedliche Prozesspfade liegen. Dann ist ΔU identisch, während sich die Aufteilung zwischen Q und W unterscheiden kann. Das ist der Grund, weshalb Q und W keine Zustandsgrößen sind.

ΔU = U₂ − U₁ wegunabhängig
Q, W = prozessabhängig abhängig von der konkreten Zustandsänderung und ihren Randbedingungen.
07 · Meteorologische Bedeutung

Adiabatische Temperaturänderungen sind Energieumwandlung, nicht Wärmefluss.

Steigt ein Luftpaket auf, fällt der Umgebungsdruck. Das Paket expandiert und verrichtet Arbeit. Ist der Prozess näherungsweise adiabatisch, gilt Q ≈ 0. Dann sinkt U durch die geleistete Arbeit — und damit sinkt auch die Temperatur.

Beim Absinken läuft der Prozess umgekehrt: Kompression bedeutet Arbeit an der Luft, ΔU > 0, und das Paket erwärmt sich. M2K6 wird diese Beziehung quantitativ zur Adiabatik ausbauen.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Drei typische Bilanzfehler.

×
„Wenn die Temperatur steigt, muss Wärme zugeführt worden sein.“

Nein. Auch Kompressionsarbeit kann U und damit T erhöhen, selbst wenn Q = 0 ist.

×
„Expansion verbraucht Energie.“

Präziser: Das System überträgt Energie als Arbeit an die Umgebung. Bei Q = 0 sinkt dadurch U.

×
„Q und W sind im Endzustand gespeichert.“

Nein. Gespeichert ist die Zustandsgröße U; Q und W beschreiben den Energieaustausch während des Prozesses.

09 · Ergebnis

M02 besitzt jetzt eine vollständige elementare Energiebilanz.

1 · Bilanz

ΔU = Q − W für das geschlossene System.

2 · Wärme

Q > 0 bedeutet Energiezufuhr als Wärme.

3 · Arbeit

W > 0 bedeutet vom System geleistete Arbeit.

4 · Randarbeit

W = ∫p_ext dV verbindet Expansion und Energietransfer.

5 · Pfad

U ist Zustandsgröße; Q und W sind Prozessgrößen.

6 · Nächster Schritt

M2K5 untersucht Expansion und Kompression als konkrete Prozesspfade.

Cross-References

Nächster Schritt · M2K5 Expansion & Kompression

Wie verändern Volumenarbeit, Druck und Temperatur den Zustand eines Luftpakets entlang eines konkreten Prozesspfades?