Meteo Lab / M02 · Wärme & Thermodynamik / K02
M2K2 · Innere Energie

Energie im System: U statt Q.

M2K1 hat Wärme als Energieübertragung definiert. Jetzt betrachten wir die Energie, die dem thermodynamischen Zustand selbst zugeordnet wird: die innere Energie U. Für ein ideales Gas hängt sie — im einfachsten Modell — nur von der Temperatur ab.

Zustandsgröße: U spezifisch: u = U/m kalorisch perfekt: Δu = cvΔT
01 · Innere Energie

U gehört zum Zustand des Systems.

Die innere Energie U umfasst die mikroskopischen Energieanteile der Teilchen eines Systems: ungeordnete Translation, Rotation, molekulare Schwingungen und — je nach Temperatur — weitere innere Freiheitsgrade. Sie ist eine Zustandsgröße.

U = U(Zustand) Für ein ideales Gas vereinfacht sich die Abhängigkeit zu U = U(T).

Damit unterscheidet sich U fundamental von Wärme Q: Ein System besitzt eine innere Energie; Wärme beschreibt Energie während ihrer Übertragung über die Systemgrenze.

Mikroskopische Beiträge zur inneren Energie eines Gases: Translation, Rotation und temperaturabhängig weitere molekulare Freiheitsgrade.
M2K2 · Innere Energie ist die Summe mikroskopischer Energieformen, nicht die makroskopische Bewegung des gesamten Luftpakets.
02 · U und u

Extensive und spezifische Größe sauber trennen.

Die gesamte innere Energie U wächst mit der Systemmasse. Deshalb verwenden wir häufig die spezifische innere Energie u pro Kilogramm:

u = U/m U in Joule, u in J/kg.

Zwei Luftpakete gleicher Temperatur können dieselbe spezifische innere Energieänderung erfahren, aber bei unterschiedlicher Masse verschieden große Änderungen der gesamten inneren Energie.

03 · Ideales Gas

Im idealen Gas hängt die innere Energie nur von T ab.

Im Ideal-Gas-Modell werden intermolekulare potentielle Energien vernachlässigt. Dadurch wird die innere Energie allein durch die mikroskopischen Bewegungs- und inneren Freiheitsgrade bestimmt. Für ein kalorisch perfektes Gas mit konstantem cv gilt:

Δu = cv ΔT
ΔU = m cv ΔT Für das M2K2-Lab verwenden wir trockene Luft mit cv = 718 J/(kg·K) als konstanten didaktischen Modellwert.
Warum ΔU und nicht „absolute U“?

Für meteorologische Zustandsänderungen ist meist die Energiedifferenz entscheidend. Ein absoluter Nullpunkt der inneren Energie ist eine Referenzkonvention; zudem ist cv über sehr große Temperaturbereiche nicht konstant. Das Lab berechnet deshalb bewusst nur Änderungen.

04 · Innere Energie ist nicht Gesamtenergie

Wind und Höhe gehören nicht zu U.

Ein Luftpaket kann sich als Ganzes bewegen und sich im Gravitationsfeld befinden. Diese makroskopischen Energieanteile werden von der inneren Energie getrennt:

E = U + Ekin + Epot
Ekin = ½mv²   ·   Epot ≈ mgz
Energiebuchhaltung eines Luftpakets mit innerer Energie, makroskopischer kinetischer Energie und gravitativer potentieller Energie.
M2K2 · U beschreibt den mikroskopischen Anteil. Bewegung des Paket-Schwerpunkts und Lage im Schwerefeld werden separat bilanziert.
05 · Internal Energy Change Lab

Temperaturänderung bestimmt Δu; Masse skaliert daraus ΔU.

Das Lab modelliert trockene Luft als kalorisch perfektes ideales Gas. Stelle Anfangs- und Endtemperatur sowie die Masse ein. Die Energieänderung folgt direkt aus ΔU = m cv ΔT.

Zustandsänderung trockene Luft · cv = 718 J/(kg·K)
Änderung der inneren Energie eines idealen trockenen Luftpakets Ein Zustandswechsel von Temperatur T1 nach T2 verändert die spezifische und gesamte innere Energie. Die Masse skaliert nur die gesamte Energieänderung. ΔU = m · c_v · ΔT ZUSTAND 1 0,0 °C Referenz ZUSTAND 2 20,0 °C Δu = +14,36 kJ/kg ΔU > 0 ENERGIEÄNDERUNG DES GESAMTEN PAKETS ΔU = +14,36 kJ
ΔT
Δu
ΔU
Vorzeichen
Kalorisch perfektes Gas ΔU = m cv ΔT Konsistenz: —
Interpretation
07 · Meteorologische Bedeutung

Ein Luftpaket kann U ändern, ohne dass „Wärme gespeichert“ wird.

Steigt ein Luftpaket auf und expandiert, kann seine Temperatur und damit seine innere Energie sinken, obwohl kein Wärmeaustausch mit der Umgebung stattfindet. Die Energie wird dabei über Druck-Volumen-Arbeit umverteilt. Das ist der Schlüssel zu adiabatischen Prozessen in M2K6.

Damit wird sichtbar, warum Temperaturänderung nicht automatisch „Heizen“ oder „Kühlen durch Wärme“ bedeutet.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Drei wichtige Trennungen.

×
„Innere Energie ist Wärme im Gas.“

Nein. U ist eine Zustandsgröße des Systems; Q bezeichnet Energieübertragung aufgrund eines thermischen Prozesses.

×
„Die innere Energie eines idealen Gases hängt direkt vom Druck ab.“

Im Ideal-Gas-Modell gilt U = U(T). Druck und Volumen können sich ändern, ohne dass U sich ändert, sofern T gleich bleibt.

×
„Windenergie ist Teil der inneren Energie.“

Nein. Geordnete Bewegung des gesamten Luftpakets gehört zur makroskopischen kinetischen Energie.

09 · Ergebnis

U ist die erste echte Energie-Zustandsgröße von M02.

1 · Zustand

Innere Energie U ist eine Zustandsgröße.

2 · Spezifisch

u = U/m trennt Energieinhalt von Systemmasse.

3 · Ideal Gas

Für ideales Gas hängt U nur von T ab.

4 · Änderung

Bei konstantem cv: ΔU = m cv ΔT.

5 · Gesamtenergie

U wird von makroskopischer kinetischer und potentieller Energie getrennt.

6 · Nächster Schritt

M2K3 erklärt Wärmekapazität und warum cp ≠ cv.

Cross-References

Nächster Schritt · M2K3 Wärmekapazität

Wie viel Energie ist für eine bestimmte Temperaturänderung nötig — und warum unterscheiden sich c_v und c_p?