Meteo Lab / M01 · Atmosphäre als physikalisches System / K02
M1K2 · Zusammensetzung

Woraus besteht Luft?

Der größte Teil der Atmosphäre ist chemisch erstaunlich konstant. Meteorologisch entscheidend sind jedoch gerade die variablen Bestandteile — allen voran Wasserdampf.

Basis: trockene Luft Variable: H₂O, CO₂, O₃, Aerosole Kernidee: Partialdruck
01 · Trockene Luft

Drei Gase stellen fast das gesamte Volumen.

Entfernen wir den Wasserdampf gedanklich aus einer Luftprobe, erhalten wir trockene Luft. Deren Zusammensetzung ist in der unteren Atmosphäre räumlich vergleichsweise homogen: vor allem Stickstoff, Sauerstoff und Argon.

Gerasterte Balkendarstellung der Zusammensetzung trockener Luft.
M1K2 · Volumenanteile trockener Luft, gerundet. Wasserdampf ist nicht enthalten.
BestandteilFormelVolumenanteil trockenMeteorologische Rolle
StickstoffN₂≈ 78,08 %Hauptbestandteil, chemisch relativ träge
SauerstoffO₂≈ 20,95 %chemisch und biologisch zentral
ArgonAr≈ 0,93 %Edelgas, weitgehend inert
CO₂ + weitere SpurengaseCO₂, Ne, He, CH₄ …< 0,1 %teils geringe Menge, aber große radiative/chemische Wirkung
02 · Variable Bestandteile

Ein kleiner Anteil kann das Wetter dominieren.

Der Wasserdampfgehalt kann stark variieren: räumlich, mit der Höhe, zwischen Luftmassen und im Tagesgang. Gerade deshalb ist H₂O meteorologisch zentral. Es bestimmt Feuchte, Wolkenbildung und Niederschlag und verschiebt durch Phasenwechsel große Energiemengen.

Vergleich relativ konstanter Hauptgase mit variablen meteorologisch wirksamen Bestandteilen.
M1K2 · Konstanz ist nicht gleich Relevanz: variable Minderheiten steuern viele Wetterprozesse.
Wichtige Trennung

„Trockene Luft“ ist ein Referenzgemisch. Reale atmosphärische Luft enthält fast immer zusätzlich Wasserdampf und häufig Aerosole sowie Wolken- oder Niederschlagspartikel.

03 · Partialdruck

Jedes Gas trägt seinen Anteil zum Gesamtdruck bei.

In einem idealisierten Gasgemisch übt jede Komponente einen eigenen Partialdruck aus. Der Gesamtdruck ist die Summe dieser Beiträge. Dieses Prinzip wird später für Wasserdampf unmittelbar wichtig.

p = pN₂ + pO₂ + pAr + pH₂O + … Dalton-Prinzip für ein ideales Gasgemisch.

Bei konstantem Gesamtdruck bedeutet mehr Wasserdampf daher nicht einfach „mehr Gas“. Vielmehr ersetzt H₂O einen Teil des trockenen Gasgemischs. Genau daraus folgt später ein zunächst kontraintuitiver Effekt: feuchte Luft ist bei gleichem Druck und gleicher Temperatur weniger dicht als trockene Luft.

04 · Testlabor

Wie verändert Wasserdampf das Gasgemisch?

Der Slider variiert den Volumenanteil von Wasserdampf in einer idealisierten Luftprobe. Die trockenen Bestandteile werden proportional reduziert, sodass die Summe 100 % bleibt.

Modellannahme: konstante Temperatur und konstanter Gesamtdruck; trockene Luftanteile behalten untereinander ihr Verhältnis. Spurengase werden in diesem vereinfachten Lab nicht separat modelliert.
N₂
O₂
Ar
H₂O
Summe100,00 %
05 · Nicht nur Gase

Die Atmosphäre enthält auch Partikel.

Aerosole sind feste oder flüssige Partikel in der Luft: Staub, Meersalz, Rauch, Sulfatpartikel, organische Partikel und viele weitere. Ihre Masse ist gegenüber der gesamten Luft gering, ihre Wirkung aber keineswegs: Sie beeinflussen Strahlung, Sichtweite und Wolkenmikrophysik.

Systemisch wichtig

Die Atmosphäre ist daher chemisch und mikro­physikalisch kein reines Gas. Für viele dynamische Grundmodelle behandeln wir sie zunächst trotzdem als Gasgemisch und ergänzen Partikel später als eigene Zustands- und Prozessgrößen.

06 · Änderung mit der Höhe

Gut gemischt heißt nicht überall identisch.

In der unteren Atmosphäre sorgen Turbulenz und großräumige Durchmischung dafür, dass die Hauptgase der trockenen Luft relativ konstante Mischungsverhältnisse besitzen. Wasserdampf dagegen nimmt mit der Höhe im Mittel stark ab, weil seine Quelle überwiegend an der Oberfläche liegt und weil Kondensation ihn effizient aus der Luft entfernen kann.

Später wird diese Unterscheidung wichtig: Druck und Dichte nehmen mit der Höhe auch dann ab, wenn die relativen Mischungsverhältnisse der trockenen Hauptgase nahezu gleich bleiben.

07 · Fehlmodelle vermeiden

Drei typische Verwechslungen.

×
„Luft besteht hauptsächlich aus Sauerstoff.“

Nein. Stickstoff stellt mit rund 78 % den größten Volumenanteil; Sauerstoff liegt bei rund 21 %.

×
„Ein Spurengas ist physikalisch unwichtig.“

Nein. Wirkung hängt nicht nur von Menge ab; radiative, chemische oder mikrophysikalische Kopplungen können sehr stark sein.

×
„Mehr Wasserdampf macht Luft automatisch schwerer.“

Bei gleichem Druck und gleicher Temperatur ist das Gegenteil der Fall. Die Herleitung folgt später über Molekülmassen und Gasgleichung.

08 · Ergebnis

Die Zusammensetzung liefert die stoffliche Basis der Meteorologie.

1 · Hauptgase

N₂, O₂ und Ar dominieren trockene Luft.

2 · Variable Komponente

Wasserdampf schwankt stark und ist meteorologisch besonders wirksam.

3 · Partialdruck

Jede Gaskomponente trägt zum Gesamtdruck bei.

4 · Spurengase

Kleine Konzentration bedeutet nicht kleine physikalische Wirkung.

5 · Aerosole

Die reale Atmosphäre enthält zusätzlich feste und flüssige Partikel.

6 · Vertikale Struktur

Hauptgase sind gut gemischt; Wasserdampf ist deutlich variabler.

Cross-References

M1K3 · Zustandsgrößen p, T, ρ M1K4 · Ideale Gasgleichung M03 · Wasser in der Atmosphäre M07 · Strahlung, Boden & Grenzschicht M08 · Wolken, Niederschlag & Gewitter
Nächster Schritt · M1K3 Zustandsgrößen p, T, ρ

Wie beschreiben Druck, Temperatur und Dichte denselben Luftzustand — und warum sind sie nicht unabhängig voneinander?