Meteo Lab / M01 · Atmosphäre als physikalisches System / K08
M1K8 · Vertikale Atmosphärenschichtung

Warum wechselt der Temperaturtrend mit der Höhe?

Die Atmosphäre ist keine thermisch monotone Säule. Mit der Höhe wechseln sich Bereiche ab, in denen die Temperatur fällt oder steigt. Diese Wechsel definieren Troposphäre, Stratosphäre, Mesosphäre und Thermosphäre.

Kriterium: Vorzeichen von dT/dz Grenzen: „Pausen“ Wichtig: Grenzhöhen variabel
01 · Thermische Klassifikation

Die Schichten werden über das vertikale Temperaturprofil definiert.

Für die thermische Gliederung interessiert uns vor allem das Vorzeichen des Temperaturgradienten dT/dz. Sinkt die Temperatur mit der Höhe, ist dT/dz negativ; steigt sie, ist dT/dz positiv.

dT/dz < 0 → Temperatur nimmt nach oben ab Typisch für Troposphäre und Mesosphäre.
dT/dz > 0 → Temperatur nimmt nach oben zu Typisch für Stratosphäre und Thermosphäre.
Thermische Schichten der Atmosphäre mit typischen Grenzhöhen und Temperaturtrends.
M1K8 · Thermische Schichtung. Die Höhenangaben sind typische Größenordnungen, keine unveränderlichen Grenzflächen.
02 · Troposphäre

Die unterste Schicht wird überwiegend von unten beheizt.

Die Troposphäre reicht von der Oberfläche bis zur Tropopause. Ihre Höhe beträgt typischerweise etwa 8 km in Polargebieten, ungefähr 10–12 km in mittleren Breiten und kann in den Tropen 16–18 km erreichen.

Im Mittel nimmt die Temperatur mit der Höhe ab. Die Oberfläche absorbiert einen großen Teil der solaren Energie und koppelt sie über Strahlung, fühlbare Wärme, Verdunstung und Konvektion an die Luft. Wetter und ein Großteil des atmosphärischen Wasserdampfs befinden sich in dieser Schicht.

Keine starre Temperaturabnahme

Inversionen können lokal das Vorzeichen von dT/dz umkehren. Die Troposphäre ist also nicht dadurch definiert, dass die Temperatur an jedem Ort jederzeit streng fällt, sondern durch ihre großräumige thermische Struktur.

03 · Stratosphäre

Ozon kehrt den Temperaturtrend um.

Oberhalb der Tropopause beginnt die Stratosphäre und reicht bis ungefähr 50 km. Hier nimmt die Temperatur nach oben wieder zu.

Der zentrale Mechanismus ist die Absorption ultravioletter Sonnenstrahlung durch Ozon. Dadurch wird Energie direkt in der Stratosphäre deponiert. Das Ergebnis ist eine temperaturstabile bzw. nach oben wärmer werdende Schichtung, die vertikale Konvektion wesentlich stärker hemmt als in der Troposphäre.

Stratopause

Die obere thermische Grenze der Stratosphäre liegt typischerweise um 50 km und markiert den Übergang vom stratosphärischen Temperaturanstieg zur erneuten Abnahme in der Mesosphäre.

04 · Mesosphäre

Oberhalb der Stratopause sinkt die Temperatur erneut.

Die Mesosphäre erstreckt sich ungefähr von 50 bis 85 km. Mit abnehmender Bedeutung der Ozonheizung und effizienter radiativer Abkühlung fällt die Temperatur wieder mit der Höhe.

Die Mesopause um etwa 85 km gehört zu den kältesten Bereichen der Erdatmosphäre. Auch diese Grenzhöhe ist kein scharfes geometrisches Niveau.

05 · Thermosphäre

Sehr hohe kinetische Temperatur bei extrem geringer Dichte.

Oberhalb der Mesopause beginnt die Thermosphäre. Hochenergetische solare EUV- und Röntgenstrahlung wird von den verbleibenden Teilchen absorbiert; die mittlere kinetische Energie der Teilchen und damit die thermodynamische Temperatur steigt stark.

Das darf nicht mit einem großen Wärmeinhalt verwechselt werden: Die Teilchendichte ist dort so gering, dass „sehr hohe Temperatur“ nicht dieselbe Alltagserfahrung bedeutet wie bei dichter Luft nahe der Oberfläche.

Schematisches Temperatur-Höhen-Profil mit wechselnden Temperaturtrends in den atmosphärischen Schichten.
M1K8 · Didaktisches Profil. Es zeigt die Trendwechsel, nicht die numerischen Werte einer Standardatmosphäre.
06 · Atmospheric Layer Explorer

Grenzhöhen verändern, Schicht und Temperaturtrend direkt lesen.

Das Lab verwendet ein schematisches Temperaturprofil. Verändere die Tropopausen- und Mesopausenhöhe und fahre mit dem Höhenregler durch die Atmosphäre. Der numerische Temperaturwert wird bewusst nicht als Standardatmosphäre ausgegeben.

Thermischer Schichtexplorer Trendprofil · keine Standardatmosphäre
Interaktives schematisches Temperaturprofil der Atmosphäre Temperaturtrend auf der horizontalen Achse und Höhe auf der vertikalen Achse. Farbige Schichtbänder und ein Marker zeigen die aktuelle atmosphärische Schicht. SCHEMATISCHES T–z-PROFIL · 0–100 km kälter wärmer schematische Temperaturachse → 0 25 50 75 100 km
Schicht
Temperaturtrend
typischer Bereich
nächste Grenze
Thermisches Kriterium dT/dz < 0
Lesart Die Grenze wechselt dort, wo der großräumige Temperaturtrend seine Richtung ändert oder nahezu null wird.
07 · Grenzen sind beweglich

Besonders die Tropopause reagiert auf Breite, Jahreszeit und Wetterlage.

Die Tropopause liegt in kalter Polarluft deutlich tiefer als in den Tropen. Auch dynamische Prozesse können ihre Höhe lokal verändern. Deshalb sind Angaben wie „Troposphäre = 0–11 km“ nur nützliche Referenzwerte, keine universellen Naturgrenzen.

Stratopause und Mesopause variieren ebenfalls, wenn auch die für den Einstieg verwendeten Größenordnungen um 50 km beziehungsweise 85 km robust sind.

08 · Fehlmodelle vermeiden

Drei wichtige Trennungen.

×
„Die Schichten bestehen aus verschiedenen Gasen.“

Nicht primär. Die thermische Schichtung wird durch das Temperaturprofil definiert; die Hauptgase sind in der unteren und mittleren Atmosphäre weitgehend durchmischt.

×
„Die Tropopause liegt überall bei 11 km.“

Nein. Typische Höhen reichen ungefähr von 8 km in Polargebieten bis 16–18 km in den Tropen.

×
„Hohe Thermosphärentemperatur bedeutet große Wärmemenge.“

Nein. Temperatur beschreibt mittlere kinetische Energie; die sehr geringe Teilchendichte begrenzt den Wärmeinhalt stark.

09 · Ergebnis

Die Atmosphäre besitzt eine vertikale thermische Architektur.

1 · Kriterium

Thermische Schichten werden über den vertikalen Temperaturtrend definiert.

2 · Troposphäre

T fällt im großräumigen Mittel; die Tropopause ist räumlich variabel.

3 · Stratosphäre

Ozonabsorption kehrt den Temperaturtrend um.

4 · Mesosphäre

Oberhalb der Stratopause fällt T erneut bis zur Mesopause.

5 · Thermosphäre

Hochenergetische Strahlung erhöht die kinetische Temperatur bei sehr geringer Dichte.

6 · Nächster Schritt

M1K9 formalisiert ein reproduzierbares Referenzprofil als Standardatmosphäre.

Cross-References

M1K7 · Barometrische Höhenformel M1K9 · Standardatmosphäre M02 · Wärme & Thermodynamik M04 · Stabilität, Auftrieb & Konvektion M07 · Strahlung, Boden & Grenzschicht
Nächster Schritt · M1K9 Standardatmosphäre

Wie wird aus der real variablen Atmosphäre ein reproduzierbares Referenzmodell mit definierten Temperaturgradienten, Druck- und Dichteprofilen?